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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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die Ordre brachte, nach Kirchheimbolanden , also an dienordwestliche Grenze der Pfalz zu marschiren, von wo auswir zur Vertheidigung der nördlichen Gebirgspässe gegendie Nahe und die preußische Grenze zu im Alsenzthal ver-wendet werden sollten.

Angesichts dieser sonderbaren Widersprüche jededer beiden Ordres war offenbar in Unkenntniß der anderngegeben, mußte also der erste Kriegsrath gehaltenwerden, der sich nach sehr heftigen Debatten für Befolgungdes letzterhaltenen Befehls entschied. Jedoch wurde ausVorsicht zugleich mir der Auftrag gegeben, dem Korpsvoraus und nach Kaiserslautern zu reisen, um dort be-stimmte Dispositionen entgegenzunehmen. Ich kam desAbends zwischen sechs und sieben in Kaiserslautern an,begab mich in die Frnchthalle, wo der Landesausschußseinen Sitz hatte, und fand dort dessen Mitglieder mitAusnahme von Fries,*) auch den noch als Reichskommissäranwesenden Eisenstuck,**) ferner d'Ester ***) und Martinn.l')Hier erfuhr ich, daß der Rückmarsch der 800 Mann Preußen ans der Pfalz nicht sowohl in Folge eines unüberwind-

*) Fries, pfälzischer Jurist.

**) Eisenstuck, sächsisches Mitglied des Frankfurter Parlaments,Reichskoinmissär, zur Beruhigung in die aufgeregte Pfalz geschickt.

D'Ester, junger Kölnischer Advokat, Mitglied der BerlinerNationalversammlung, einer der feurigsten und radikalsten Deutschen jener Zeit, mit Karl Marx an der Rheinischen Zeitung betheiligt,starb in der Schweiz .

-s-) Martiny aus Westprcußen, Jurist, Mitglied des FrankfurterParlaments, einer der entschiedensten Anhänger der äußersten Linkenaußerordentlich liebenswürdiger Lebemann, blieb nach dem Scheiternder Bewegung in Deutschland , wurde verhaftet und nach wechscl-vollen Schicksalen zu Gefängniß verurtheilt, in dem er mehrereJahre verbrachte. Nach seiner Befreiung ließ er sich als Anwaltin Danzig nieder, wo er noch heute allgemein geehrt und beliebt