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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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die Nothwendigkeit kühner, durchgreifender Schritte abstrakterWeise darthun; mit revolutionärem Handeln richtet mannichts aus ohne eine revolutionäre Masse. Ein Terroristan der Spitze lederner, philiströser Bürger gleicht einemKavalier mit hohen Reiterstiefeln, großen Sporen und langerPeitsche auf einem elenden Klepper. Er macht eine lächer-liche Figur und kann das Thier blutig stacheln, aber nichtbeflügeln. Die Pfalz war durch radikale Maßregeln nichtzu retten. Und ich müßte mich sehr täuschen, wenn nichtdiese Ueberzeugung den Männern der provisorischen Re-gierung eben jene Scheu vor großen Gewaltsschritten ein-geflößt hätte. Waren sie auch nichts weniger als genialan Geist oder Charakter, so war ihr Verstand doch hin-reichend und ihre Lage verzweifelt genug, um sie zu ent-schiedenen Maßregeln zu bringen, wenn diese nützen konnten.Aber ihr Glaube an den Sieg war zu schwach, als daßsie vor ihrem eigenen Gewissen ein starr revolutionäresHandeln hätten verantworten mögen. Allein wenn demso ist wird man fragen warum gaben sie die Sachenicht auf? Die Antwort lautet: weil sie angefangen war.Den Rest erfrage man bei der menschlichen Natur. Ichselber fand Alles, was ich während meines Aufenthaltessah, wie man stets von einer Konsequenz zur anderen vor-angetrieben wurde, dabei dennoch wiederum vor ganz ent-schiedenem Handeln schauderte, stets verzweifelte und stetshoffte, das Alles finde ich sehr natürlich, aber das Ein-zige, was ich nicht begreife, ist der Theil der Revolution,den ich nicht mit erlebt habe: ihren Anfang. Wie manbei einem solchen politischen Kulturzustandc, den doch dieInländer kennen mußten, das va bs>Q<zus ausrufen konnte,ist mir ein bis auf diese Stunde unaufgeklärtes Räthsel.Für uns Andere, die wir die Pfalz nicht so genau kannten,lag gerade in diesem selbstvertrauensvollen Anfang der