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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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druck der Furcht als den des kampflustigen Hasses wahr-genommen. Der Terrorismus von Dresden hatte seineguten Wirkungen gethan und viel Verdienst um die Siegeder Preußen in der Pfalz .

Die Gräuel von Wien haben im November Berlin eingeschüchtert, und die Grausamkeiten von Dresden habenin der Pfalz und vielleicht in ganz Süddeutschland einenSchrecken verbreitet, der überall schon vor den Kanonensiegte, Namentlich war es das Landvolk, auf welchesdie demokratische Propaganda in dem übrigen Deutschland so viel Sorgfalt verwendet hatte, und welches sich in derPfalz in einem Zustand vollständiger Gleichgültigkeit befand. Die Pfalz ist ein üppiges, reiches, prächtiges Land. Dieprovisorische Regierung war bis auf die letzten Tage stets inden armseligsten,man kann sagen: in den lächerlichsten Finanz-verhältnissen. Was freiwillig hergegeben wurde, war kaumder Rede werth und rührte meist von einzelnen noblenLeuten her. Das Zwangsaulehen mußte zu zwei Dritteldurch Exekution eingetrieben werden. Und wenn man nunbedenkt, was dazu gehört, daß ein Volk uud gar eine Zahlvon nur 800000 Menschen dem Kolosse königlicher Ge-walten widerstehe, welche Opfer seiner Zeit in Polen , welchein Ungarn gebracht werden mußten, um einen nennens-werthen Widerstand möglich zu machen, Opfer, zu welchennur die höchste Ekstase, die wildeste Freiheitsbegeisterunghinreißen können wenn man dies bedenkt und sich da-gegen den Anblick einer vollkommen nüchternen, hier undda gelind liberalen, aber eben so oft entschieden reaktionären,im Ganzen mit gewohnter Ruhe ihren gewohnten Geschäftennachgehenden Bevölkerung vergegenwärtigt so wird manallerdings es erklärlich finden, daß die provisorische Re-gierung auf einen solchen Boden keine großartige Revo-lutionspolitik zu pflanzen wagte. Mag man noch so sehr