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südliche Theile von Deutschland für weniger demokratisirthalte, als diesen Landstrich. In der Weise, wie bei unsin Rheinhessen, wie in Rheinpreußen, in Franken, Thü-ringen, Sachsen, wie selbst in Hessen-Darmstadt, Kurhessen ,Nassau, war dort während des ganzen vorausgegangenenJahres durchaus nicht gewirkt worden. Von einer überdas Land verbreiteten, wohlorganisirten Demokratie konntegar keine Rede sein. Hier und da bestand so Etwas, wieein demokratischer Verein; an eine gemeinsame, permanente,rührige Leitung der Agitation, an eine systematische Propa-ganda war nicht zu denken. Es fehlte, sei es als Folge,sei es Ursache dieser Zustände, durchaus an agitatorischenTalenten. Als die Einzigen, welche einigermaßen aufdiesen Namen Anspruch machen könnten, wurden mir zu-weilen zwei Bürger aus Neustadt an der Hardt genannt,welche jedoch durchaus kein allgemeines Ansehen genossen,daher auch wohl nicht vom rechten Zeuge waren. Was ichkennen lernte, war für die eben bezeichnete Aufgabe durch-aus unbedeutend. Eine gehörig durchgebildete demokratischeBevölkerung fand ich nirgends, ebenso wenig glühendeBegeisterung. Der Anblick des Landes, das ich in denersten Tagen einer von Erfolgen begleiteten Revolution be-trat, war durch und durch matt. Ich reiste von Kirchheimnach Kaiserslautern, von da nach Neustadt, Ludwigshafen ,Frankenthal, Grünstadt durch den Theil des Landes, derfür den besten galt, ohne in der Bevölkerung auch nur dieSpur einer Aufregung zu sehen; hier und da eine frei-sinnige Aeußerung, ein Wirthshausgespräch, — Enthusias-mus nirgends. Natürlich konnte man, wie von jeher, Alt-banern nicht leiden und zog gegen die Preußen los. Dochhabe ich in allen diesen Wuthäußerungen gegen die Preußen,die ich so oft unter den Bürgern, den übergetretenen Sol-daten und der Volkswehr vernahm, immer mehr den Aus-