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Unentschiedenheit, diese Zögerung und Schonung, welchedem Ausschuß und der späteren Regierung zumeist vor-geworfen wurden und wahrscheinlich in künftigen Schilde-rungen der Pfälzer Insurrektion eine große Rolle spielenwerden, in allen gegebenen Voraussetzungen so tief wurzelten,daß sie trotz anerkannter Schädlichkeit nicht zu vermeidenwaren, daß sie die Revolution ruiniren mußten, weildiese von vornherein nicht durchzuführen war, und wennnicht an der Unentschiedenheit, am Gegentheil zu Gmndegehen mußte. Diese Behauptung führt mich dazu — vondem chronologischen Bericht der Vorgänge abweichend —zu der Schilderung einiger allgemeinen Zustände über-zugehen, welche sich besser in ein Bild zusammenfassenlassen. Ich nehme zuerst:
Die politischen Rulturzustände der j?falz.
Die Rheinbauern standen von den dreißiger Jahrenher in dem Rufe einer sehr erregbaren und freiheitsliebendenBevölkerung. Sie hatten damals die erste Rolle in Deutsch-land gespielt. Im Laufe der mit dem März 1848 begonnenenBewegung hatte man zwar auffallend wenig von dieserProvinz gehört, doch hatte sie ihre Abgeordneten nach Frank-furt sowohl als nach München immer aus der radikalenPartei gewählt, und die Vorgänge, welche der ganzen letztenInsurrektion den Impuls gaben, die Volksversammlung vonKaiserslautern und ihre Folgen, weckten den alten Glaubenwieder auf. Ich habe Gelegenheit gehabt, viele Theile vonDeutschland aus eigener Anschauung, andere aus getreuenSchilderungen unter diesem Gesichtsvunkt kennen zu lernen.Nach meinem zweimonatlichen Aufenthalt in der Pfalz , wo-bei ich stets in die Kreuz und Quere das Land durchreiste,kann ich behaupten, daß ich nur einzelne nördliche und
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