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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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Sie hatten sich nicht an die Spitze der Bewegung mitKraftanstrengungen, durch Ehrgeiz oder Feuergeist hinan-geschwungen. Sie waren mit den kleinsten Mitteln, diein Verhältnissen, wie ich sie oben beschrieben habe, aus-reichen, zu der gangbaren demokratischen Landes-Münzegeworden, wurden demgemäß in den Landesausschuß ge-wählt und mußten sich bald darauf, wenn sie die Sachenicht aufgeben wollten, zur provisorischen Regierung machenlassen. Sie meinten es redlich und herzlich mit der Revo-lution wie mit ihrem ehelichen Weib, aber eine blinde,sprühende Jugendliebe trugen sie nicht in der Brust. Umso mehr sind ihre Opfer anzuerkennen. Denn merke manwohl sie wußten Alle, beinahe von Anfang an, wieschlecht die Sachen standen, und blieben dabei, weil sie dasfür ihre Schuldigkeit hielten. Was sie aber gar nicht ver-standen, das war das Regieren. Ein patriarchalischeresTreiben als bei dem Landesvertheidigungsausschuß undder provisorischen Negierung habe ich mein Lebtag nichtgesehen. Da saßen die fünf oder sechs Männer beisammenvon Morgens bis Abends und beriethen durcheinanderund miteinander Alles, was vorkam, vom Höchsten biszum Geringsten. Jeder hatte dabei Zutritt, wer irgendein Geschäft abmachen, eine Erkundigung einziehen, eineNachricht bringen wollte; wer ein bischen Reputation oderauch nur gute Manieren hatte, konnte gelegentlich, so langeer Lust zu bleiben hatte, sich aktiv an der Berathung dergerade vorliegenden Gegenstände betheiligen. Ueberausgern nahm man guten Rath an, wie denn überhaupt denzweimonatlichen Regenten der Pfalz nichts weniger nach-geredet werden kann, als irgend eine Spur von Hoch-näsigkeit. In Baden sah man nicht viel mehr oder größereTalente, aber schon bedeutend gewichtigere Mienen.

Von einer Regelung der Geschäfte nach Zeitabschnitten