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und Personen war keine Rede. So lange der Landes-ausschuß bestand, war nicht einmal der Form nach eineOrdnung eingeführt. Die provisorische Regierung ver-theilte allerdings die Geschäfte untereinander nach De-partements. Reichard erhielt die Präsidentschaft und denKrieg, Schmidt das Innere, Greiner das Aeußere, Friesdie Justiz und Hepp die Finanzen, Doch bestand diesAlles nur dem Namen nach. In Wahrheit saß man nachwie vor von früh bis spät beisammen und nahm Allesdurcheinander und gemeinschaftlich vor. Dazu kam abernoch, daß Jeder in seinem Departement auch die geringstenSchreiber-und Laufburschendienste that, und weil er selbstnie aus der Plenarversammlnng zn bringen war, auch dieabgeschmacktesten Lumpereien in einem Athem mit denwichtigsten Maßregeln von der Gesammtregierung verhandeltwurden. Man saß über der Berathung eines Bündnissesmit Baden. Es klopft. Herein tritt der Stockhausverwalter,um sich bei dem Justizminister über die Auslagen für dieAtzung von drei eingebrachten Gefangenen aufzuklären.Eine Viertelstunde lang bildete die Stockhausatzung dieTagesordnung des Ministerrathes. So kamen tausendDinge vor. Dabei liefen die einzelnen Regierungsmitgliederjeden Augenblick weg, um irgend ein kleines Geschäft, dasin ihr Departement schlug, außerhalb zu besorgen. Ichund viele Andere haben sie hundertmal angefleht, sie möchtendoch jeder in einem besondere» Kabinet arbeiten und nurein- oder zweimal des Tages sich versammeln, um überdie wichtigsten Angelegenheiten gemeinschaftlich zu be-schließen, und ebenso, sie möchten nicht selber alle Dienst-verrichtungen vollziehen, sondern sich Bureaus etabliren.Man gab uns stets Recht und ließ es stets beim Alten.Der Finanzminister akkordirte die Kutschen und kaufte dreiEllen schwarz-roth-goldenes Baumwollenzeug. Der Konseil-