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Präsident sprang während der wichtigsten Berathung, dievielleicht in den zwei Monaten vorkam, drei Treppenhinunter auf die Straße, wo sich zwei Leute balgten, umnach einer halben Stunde, binnen deren es ihm gelang,die Streitenden zu beruhigen, die Debatte wieder aufzu-nehmen. Welcher enorme Zeitverlust und welche Unordnungaus einer solchen Geschäftsführung hervorging, läßt sichdenken und zum Theil daraus erklären, warum im Laufezweier Monate so unendlich wenig geschah.
Ein anderes Uebel, welches hauptsächlich lähmendauf die Leitung der Angelegenheiten einwirkte, war derMangel an tauglichen Leuten. Zu den höchsten wie zuden niedrigsten Chargen fehlte es an Menschen, theils weilüberhaupt Mangel an Fähigkeiten aller Art war, theilsweil die Beamten, die noch allein zu verwenden waren,nicht anbeißen mochten. So mußten sehr oft Leute ohneFähigkeit oder ohne Ansehen in den wichtigsten Postenangestellt oder — was beinahe eben so schlimm war —es mußte zu Nichtpfälzern gegriffen werden. Trotz allerdeutschen Einheit waren doch solche Fremde bei Vielenmehr oder weniger anstößig und mußten es oft auch werden,weil sie, namentlich wenn aus entfernteren Gegenden, nichtmit den Verhältnissen des Landes, der Art und Weise derBewohner vertraut warm. Man hatte nicht einmal Pfälzergenug, um die zwölf Civilkommissariate — Posten, dienoch wichtiger waren, als die der Regierung selber — zubesetzen. Um die Agitation zu unterhalten, mußten einzigauswärtige Apostel verwendet werden, und wer Süddeutsch-land kennt, der weiß, welchen Eindruck es machen kann,wenn Jemand im westfälischen oder schlesischen Dialekt vorPfälzer Bauern eine Volksrede hält.
Dies waren — abgesehen von der ungünstigen Dis-position des Landes überhaupt, die das Grundübel bildete —