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die beiden Hauptmängel der gesummten Zustände. Dieoberste Leitung war schlecht, oder richtiger gar nichtorganisirt, und was sie leistete, wurde aufs Unvollkommensteausgeführt, weil sie im Lande schlecht bedient wurde. Daranschloß sich also das Mißlingen oder Versäumen der einzelnenwichtigsten Maßregeln. Vor Allem schlecht bestellt war dieerste Existenzbedingung der ganzen Revolution, die Finanz-wirthschaft. Man fing mit Nichts an. Daß im Voraus,wie wohl sonst bei Umwälzung brütenden Parteien, Geld-mittel bereit gehalten worden wären, davon konnte garkeine Rede sein. Der Landesvertheidigungsausschuß be-schloß (oder gar nur drohte), unmittelbar nach seiner Konsti-tuiruug die hochtönende aber wirkungslose Maßregel derSteuerverweigerung zu verhängen, anstatt die Kassen unterBeschlag zu legen. Man behalf sich mit freiwilligen Bei-trägen, die im Ganzen, wenn ich's hoch anschlage, 10000 fl.einbrachten. Damit sollte eine Revolution geleitet, solltenOffiziere engagirt, Truppen besoldet, Waffen angekauft,Ausrüstungen aller Art bestritten, — kurz damit sollte re-giert werden. Durch diesen Geldmangel allein mußte esschon an allen Ecken und Enden stocken und ein wahresKrähwinklerregiment entstehen. Oft waren in der Re-gierungskasse nur 40 oder 60 fl. Endlich, als der Landes-ausschuß provisorische Regierung geworden war, erlaubteihm sein juristisch-skrupulöses Gewissen erst, Hand an dieKassen zn legen. ?rox tarä! Sie waren alle längstwohlweislich nach Germersheim oder Altbaiern gebrachtworden. In der Centralkreiskasse zu Speier, welche zuZeiten der Kaiserslanterner Volksversammlung achtzigtausendGulden enthielt, fand man bei der Beschlagnahme einenKreuzer, sage: Einen Kreuzer! In einzelnen Kantonenwurden noch einige Hundert Gulden zusammengekratzt, aberim Ganzen war der Erfolg im Verhältniß zu den Geld-