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wieder nach Kirchheimbolanden zurück. Unterwegs begegnetemir eine Abtheilung unseres Korps, etwa 200 Mann vor-trefflich bewaffneter Schützen und Tirailleurs, die noch inFolge der ersten von Fenner gegebenen Ordre nachLudwigshafen dirigirt waren. Während meiner Abwesen-heit war endlich der Pfälzer Landesvertheidigungsausschußzur provisorischen Regierung geworden, ein Termin, bis zuwelchem er jede eigentliche Regierungshandlung, namentlichdie Entfernung der bewegungsfeindlichen Beamten, die Er-nennung der Civilkommissare, Finanzmaßregeln und der-gleichen verschoben hatte. Vergebens hatten ich und Andereihm vorher auf das Dringendste vorgestellt, daß er un-mittelbar zu allen diesen Dingen schreiten müsse. Stetsanworteten die Juristen, daß man, ohne Regierung zu sein,dazu kein Recht habe, und wenn man ihnen darauf ent-gegnen, sie sollten sich zur Regierung machen, so erwidertensie, das könne nur von den auf einen bestimmten Tag ein-berufenen Volksvertretern ausgehen. Dieselben Rechtsbe-denklichkeiten haben auch in Baden eine große Rolle ge-spielt — das beste Zeichen, daß die Dirigenten eigentlichkeine Revolutionärs waren. Denn wer in Wahrheit eineRevolution macht und will, der muß in der unmittelbarenUeberzeugung handeln, daß er Recht, hat und wenn er inder Hälfte stehen bleiben und an irgend eine Autoritätappelliren will mit der Frage, ob er weiter gehen dürfe?— so fragt er zu spät oder zu früh.
Da nun jedoch Etwas mehr für die Entwicklung derDinge zu hoffen war, so machte ich mich zum dritten Maleauf den Weg, wie immer hauptsächlich in der Absicht, Ab-hülfe für die zahlreichen Mängel, an denen unser Korpslitt (ich werde darauf noch kommen) zu erwirken. Diesmalging meine Reise nach Speuer, wohin der Sitz der Regie-rung verlegt worden war. Doch erfuhr ich unterwegs in