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Frankreich war allerdings die Ausfuhr und direkte Durch-fuhr nach Deutschland von jeher verboten. Aber im Laufevon acht Wochen wurde auch nicht eine Flinte für diePfälzische Regierung herübergeschmuggelt. Die Durchfuhrvon Waffen nach der Schweiz war gestattet, man benutztedieses Auskunftsmittel lange Zeit nicht. Endlich siel mandarauf. Am selben Tag kam die Nachricht, daß Frank-reich auch die Durchfuhr nach der Schweiz verboten habe.So gesellte sich überall Mißgeschick zu den linkischen An-stalten. Fünf Minuten vor der pfälzischen Grenze wurden70 Zentner Pulver von den Preußen abgefaßt. Endlichsetzten die nach Belgien geschickten Agenten dem ganzenBewaffnungsgeschäfte die Krone auf. Sie waren mit20 000 fl. nach Lüttich gereist, um Gewehre zu kaufen,sauer erworbenen 20 000 fl. Was thun sie? Sie schließeneinen Kauf ab, zahlen schnell im Hochgefühl ihrer Soli-dität das Geld dafür an die Fabrikanten aus uud thunhernach erst die Augen auf nach einem Weg, die Gewehrein die Pfalz zu bringen. Aber da gab es keinen mehr,selbst nicht durch Frankreich nach der Schweiz , und nunkamen die Trefflichen mit langen Gesichtern nach Hause,ohne Geld und ohne Waffen und mit dem Trost, daß dieprovisorische Regierung für 20 000 fl. schöne Flinten inLüttich habe. Durch solcherlei Hantierungen geschah es,daß der Totalbestand dessen, was die Pfälzer Regierungvon Anfang bis zu Ende an Gewehren acquirirte, dieZahl von 60 Stück, sage sechzig Stück, nicht überschritt!Von Kanonen war lange die Rede. Herr v. Ginand,Besitzer eines großen Hüttenwerks in Winnweiler , ein glor-reicher Reaktionär, sollte deren gießen. So oft ich nachKaiserslautern kam, hörte ich davon sprechen. In denletzten vierzehn Tagen kamen endlich ein paar zweipfündigeBöller zum Vorschein. Man hatte sich auch an Baden
Ludwig Bamberger's Ges. Schriften. III.
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