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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
Seite
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schickt, mit unbedingter Vollmacht, die Vereinigungsbestre-bungen beider Provinzen zu realisiren. Brentano selbstunterzeichnete die Vollmacht. Der Gesandte schloß eineförmliche Unionsakte ab. Als er mit der von der pfälzischenRegierung unterzeichneten Urkunde zurückkam, wurde er vonBrentano geradezu desavouirt. Das sei ja eine reineTollheit, meinte dieser, so mir nichts, dir nichts eine Ver-einigung auszusprechen; da müsse erst eine Jnventarisirungder gegenseitigen Vermögenszustände vorgenommen werden,man müsse feststellen, was die Pfalz und was Baden be-sitze u. dergl. m. Der Gesandte trat, wie natürlich, ausdem badischen Dienste aus. So wurde die Pfalz , welchefür Baden fast noch wichtiger war, als das eigene Gebiet,stets behandelt wie eine arme Verwandte von einer reichen,lumpige Protektion mit saurer Miene gespendet. Nun hattealso die Pfalz zum Widerstand gegen das preußisch-baierischeHeer ein volles halbes Dutzend Kanonen, aber nochkeine Pferde zur Bespannung. Jetzt also erst, d. h. in denletzten vierzehn Tagen, erschien ein Dekret, welches Requi-sition von Pferden anordnete. Bei der Ausführung wieder-holte sich dieselbe Erscheinung wie bei dem Zwangsanlehenund der Rekrutirung. Im Innern des Landes wurdenvielfache Schleichhändel abgeschlossen und in den Grenz-kantonen gar die Pferde auf das fremde Gebiet hinüber-gebracht. So war in allen Stücken die Opferfähigkeit desMittelstandes beschaffen, der vorzugsweise den Pfälzer Libe-ralismus vertrat. Als die Preußen einbrachen, war kaumdie Pferdesammlung in Gang gekommen.

daselbst, theils in Südamerika , als Schriftsteller. Er kehrte schließlichzurück und gründete in Offcnburg eine Glasfabrik, die aber zuGrunde ging. Goegg war ein etwas exaltirter, aber charakterfesterMann, der allzeit seiner Gesinnung treu blieb.