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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
Seite
116
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Also keine Waffen, keine Pferde, keine Munition, keinGeld, keine Equipirung, gepreßte Volkswehr, mangelhaftesOberkommando und dennoch war dies Alles zusammennoch nicht das größte Uebel. Aus allen diesen geringenMitteln war Geringes, aber doch Etwas für die Ver-theidigung des Landes zu machen. Daß sie gar Nichtsleisteten, war die Folge dessen, daß gar keine Offizierein der Pfalz waren. Mir ist nicht ein einziger Bataillonskommandant Willich *) vielleicht ausgenommen bekannt,der sein Geschäft aus dem Grunde verstanden hätte. Diemeisten waren total unfähig. Offiziere mit gewöhnlichenLieutenantskenntnissen waren eine Seltenheit und das Höchste,was vorkam. Natürlich war deßhalb das Avancementfabelhaft. Ich kenne allein drei ehrenwerthe Männer, diemir einige Wochen zuvor, als man schon an eine Erhebungdachte, auf mein Befragen, ob sie sich im Stande fühlten,eine größere Abtheilung anzuführen, mit dem entschiedenstenNein antworteten, und die Alle nach der Hand in der Pfalzso stolz und selbstzuverlässig wie Einer an der Spitze einesBataillons einHerzogen und durchschnittlich sich in der Lagebefinden mußten, Feldherrndienste zu leisten. So süß und un-widerstehlich ist der Reiz des Befehlens. Und solche Leutewaren noch die besten. Wenn ich erst an die komplet Un-fähigen denke und an die Art, wie sie ernannt wurden,schwindelt mir der Kopf. Ein Beispiel von vielen. AchtTage vor dem Ende meldete sich bei uns ein Mann miteiner preußischen Militärmütze, mit einer dito Physiognomieund Halsbinde, ein älterer Mann in übrigens ärmlicher

*) Willich , ehemaliger Offizier, ein kühner etwas romantischerCorpsführer, der seine Schaar mit großer Tapferkeit durch alleSchwierigkeiten des Rückzugs bis nach der Schweiz brachte. Erwar Oberst und nachträglich Brigadegeneral im Secessionskrieg.