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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
Seite
117
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Tracht. Ich ersah aus seinen Papieren, daß er preußischerUnteroffizier und später Lieutenant in Schleswig-Holstein gewesen, und nach seiner Entlassung bis auf die letzte Zeitvergeblich bei Sr. Majestät dem König allerunterthänigstum eine Civilanstellung eingekommen war. Er flößte unskein Vertrauen ein, ich schlug deßhalb vor, ihn mitzunehmennach Kaiserslautern , wo ich gerade zu thun hatte, damiter dort Verwendung nachsuche. In einer halben Stundenach unserer Ankunft daselbst sah ich ihn wieder. Er warals Major und Batallionskommandant nach Göllheim dirigirt. Zwei Tage später sah ich ihn in Kirchheim. Ersollte die von den Preußen besetzte rheinhessische Grenzeinspiziren, war aber so besoffen, daß er überall Händel bekommen hatte, und als er nach Göllheim zurückritt,mußten wir zu seiner Begleitung noch einen Mann mit-schicken, der ihn unterwegs ein halb Dutzendmal wiederaufs Pferd zu bugsiren hatte. So wurde in der Pfalz Carriere gemacht. Mit den Subalternoffizieren ging esgerade so. Ich habe später oft darüber klagen hören, daßdie Erwählung der Offiziere durch die Korps selbst vielSchuld trüge an der schlechten Unterleitung, daß diese Artder Ernennung zwar ein demokratisch richtiges Prinzipenthielte, aber praktisch untauglich sei. Ich bestreite dasdurchaus. Kein Mensch kann die Ernennung des Offiziersgewissenhafter und vorsichtiger behandeln, als der Soldatselbst, denn sein ganzes Sicherheitsgefühl, sein wohlerkannteseigenstes Interesse ruht auf der Tüchtigkeit der Offiziere.Auch ist es sonderbar, zu sagen, es sei Etwas grundsätzlichrichtig, aber praktisch falsch. Wer das sagt, muß einensonderbaren Begriff von Grundsätzen haben. Wenn derGrundsatz der Ernennung durch Wahl zu den höchstenStellen der Staatsverwaltung richtig sein soll, so kann der-selbe Grundsatz wohl nicht unrichtig sein, wo der Mann