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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
Seite
119
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Gefahr von Schuß und Stich ist Jeder vorbereitet, wenn'shinausgeht, aber die Nachtheile einer schlechten Führungträgt Keiner mit Seelenruhe. Ich habe nie die Leuteklagen hören, daß eine Ueberzahl gegenüber stehe, aberwenn es den Anschein hatte, als würden sie auch nur vondrei Mann umgangen, da war der Teufel los. DieMuthigsten verloren die Haltung, sobald es hieß: Wirwerden umgangen, abgeschnitten, im Rücken angegriffenund es hieß jeden Augenblick so, wo ein Offizier führte,der kein Zutrauen einflößte, und wo daher das Gefühl derUnsicherheit stets Gespenster vorführte und Alles selbst kom-mandiren wollte, d. h. Unordnung stiftete. Und dieses un-geheure Uebel passirte fast in allen Heeresabtheilungen derpfälzischen Streitkräfte. Es hat nicht einzig und alleindie Pfalz gestürzt, aber es hätte einzig und allein genügt,sie zu stürzen. In Baden war ich nur kurze Zeit, aberich war lange genng dort und kannte auch Persönlichkeitengenug, um überzeugt zu sein, daß derselbe Uebelstand jeden-falls viel zum Falle auch dieses sonst stark gerüsteten undgut disponirten Landes beitrug. Die Demokratie, wennsie hausväterlich für die Zukunft sorgen will, möge vonden zahlreichen Erfahrungen, welche die jüngsten Ereignisfebieten, hauptsächlich diese beherzigen. Die Kriegskunst isteine der schwersten von der Welt, und wo nicht das Geniedazwischen kommt, da will sie nicht minder gelernt sein,als die Schusterei, in der man doch drei Jahre und längerLehrling sein muß.")

*) Ich bin natürlich weit entfernt, alles oben gesagte noch heutezu unterschreiben. Ich bezweifle, ob es für jene Zeiten und Zuständezutreffende Wahrheit enthielt, aber natürlich kann es auf die heutigeGestaltung des Heerwesens am allerwenigsten Anwendung finden.Auch gilt der Satz, daß es nur auf die Offiziere ankomme, gewißnicht unbedingt. Zunge, ungeübte oder ermüdete Truppen habenoft den besten Führern versagt.