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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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Mit solchen Mittel sollte die Defensive eines auf fünfHauptpunkten bedrohten Landes gehalten werden, ohnedaß man bei der Schwäche des Heeres sich durch dieOffensive helfen gekonnt hätte. Wie in allen Stücken warman obendrein auch in militärischen und strategischenDingen durchaus nicht unterrichtet über die Absichten undBewegungen - des Feindes. Ich möchte mich fast dafürverbürgen, daß die ganze Armee nicht einen einzigen Kund-schafter hatte, der zu regelmäßigem Dienste verpflichtet ge-wesen wäre. Zufällige Erkundigungen wurden hie und dadurch die Sorgfalt Einzelner aufgebracht. Die Aver-tirungen, die von dem Kommando aus kamen, beruhtenauf den vagsten Gerüchten und haben sich alle als falschbewährt. Dagegen wird allgemein angenommen, daß vonder anderen Seite stark spionirt wurde, obgleich mit wenigErfolg (weil die Spione gern für ihren Lohn Dingemelden, die nicht existiren), und obgleich auch bei denUnsrigcn erschrecklich auf alles Verdächtige vigilirt wurde.Die Spioncnriecherei wurde mit dem Ernst getrieben, dendie Korps in müßigen Tagen zum Bewußtsein ihrer Wich-tigkeit brauchten, und wie das immer geht, die Unschul-digen wurden untersucht, die Schuldigen kamen wahrschein-lich durch, wenigstens weiß ich nur von einem wirklichenSpione, der abgefaßt wurde, einem Grafen Johner. Da-gegen war ein ewiges Vorführen und Examiniren gleich-gültiger Leute und oft der höchsten Beauftragten der Re-gierung selbst. Einmal kam folgender Spaß vor. G.,der in einer Mission der provisorischen Regierung reiste,wurde festgehalten und sollte, weil er sich nicht legitimirenkonnte, vor den Civilkommissar, der ein paar Stundenvom Schauplatz saß, gebracht werden. Man giebt ihmalso zwei Begleiter in den Wagen. Unterwegs werden dieDrei von einem Vierten angehalten, und weil sie sich