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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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wieder ihrerseits nicht legitimiren konnten, Arrestant undEskorte, arretirt und zusammen vor den Civilkommissargebracht, der es war erst Tagesanbruch noch imBette lag und lachend in allen drei Parteien gnte Freundeerkannte. Ein Mitglied der provisorischen Regierungreiste mit seiner Frau durch H. Letztere, vor einigen Mo-naten von einem Nervenfieber genesen, trug das Haarkurz abgeschoren und erschien den Bürgern der Wacheals nicht mehr und nicht weniger denn ein verkleideterOffizier der feindlichen Armee. Ohnerachtet aller Pro-testationen ihres Mannes entging sie der Arrestatiou nicht,uno die Häscher waren ihres Fanges so sicher und ver-gnügt, daß sie es verschmähten, sich durch eine Unter-suchung von dem Geschlecht des Arrestanten überzeugen zulassen. Nach einigen Stunden kam der Kommandant M.,um das Ehepaar zu vereinigen.

Wenn man der Entwickelung der Dinge bis hierhergefolgt ist, wird man kaum mehr einer Erklärung bedürfen,wie es sich gemacht hat, daß die feindliche Armee recht eigentlichohne Schwertstreich die Pfalz erobern konnte. Aber manwird sich wenigstens noch darüber aufhalten, wie zwei inder Pfalz selbst gelegene Festungen, Landau uud Germers-heim, die von so unendlicher Wichtigkeit für alle Theileder Vertheidigung waren, ringsuingeben von einem re-volutionären Land, sechs, sieben Wochen lang sich miteiner wankelmüthigen Besatzung nnd einer der Revolutionzugethanen Bürgerschaft halten konnten. Dieses bildet inder That ein eigenthümliches Kapitel der pfälzischen Ope-rationsweise. Landan und Germersheim waren bis zudem Augenblick des Einmarsches der Preußen mit Rechtdas ewige Augenmerk und das ewige Stichwort aller Teil-nehmer der Bewegung vom untersten Wehrmann bis zumPräsidenten der Regierung. Dort lagen die so nothwendigen