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Lied ertönen zu lassen? Meint Ihr. daß sei blos ausBrodneid auf die Beredtsamkeit ihrer Nebenmenschen undaus Wohlgefallen an ihrer eignen Suada? Nicht doch!Sie wissen es recht gut, daß man ein Volk vergiften, ver-fälschen, verdummen kann. Und wenn alles künstlich prä-pariert und einstudiert ist, dann sollen wir die Macht derWahrheit aus diesem Präparat empfangen, das ihr Volk zunennen beliebt, wenn ihr Blut und Thaler braucht?
Die Stimme des vereinsamten freien Menschenverstandeswill nicht verstummen vor diesem mit hoher obrigkeitlicherErlaubnis veranstalteten Gebrüll zu Gunsten habsburgischerDespotie und deutscher Zaunkönige.
Denn, rund heraus sei es gesagt: nicht um Italien handelt es sich für uns, nicht um Bonaparte; es handelt sichum Deutschland, um Deutschlands Wohl, um die Einheit,welche nicht an der Eider und nicht am Po ihre gefähr-lichsten Feinde hat, sondern an der Donau , und überall da,wo ein Duodeztyrann jetzt Wachtparaden mit Kaiser-Franzens-Hymnen aufführen läßt.
Mit Recht ist es gesagt worden. Das Beste, was jetztgeschrieben werden könnte zur Aufklärung Deutschlands , daswäre eine kurze, handgreifliche, volkstümliche Geschichte desHauses Habsburg. Ja. wenn sie Geschichte kennten! Manhat es oft genug gerügt, wie arm die deutsche Litteraturan großen historischen Talenten sei, aber es ist noch seltenzu Gemüte geführt worden, wie innig verwebt diese schlechtehistorische Erziehung mit dem Unglück deutscher Nation ist.Geschichte! Als brauchte es Geschichte! Ist Malmö undFriederizia Geschichte? Ist Ollmütz Geschichte? Ist Bron-zellen Geschichte? Sind alle die rettenden Thaten vonWien bis Hessen-Kassel, sind die Kriegsgerichte und Spinn-häuser als letztes Siegel aus die Einheitsbestrebungen derNation Geschichte? Ist das Konkordat mit den Jesuiten Geschichte? Lebendige, brennende Gegenwart, frische Scham-