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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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röthe um verlorene Anstrengungen, Schmach und gebrocheneWorte und zerrissene Verträge, Thränen, die noch fließensollten um edle Opfer, Blut, das noch dampft, Ketten, dienoch klirren. Geschichte, welcher Lebende braucht vonGeschichte was zu wissen, der nicht Gedächtnis und Verstandzugleich verloren hätte!

Aber nicht einmal das Gedächtnis zu verlieren, giebtes eine Ausrede. Nehmen sich doch die Herrschaften selbstdie Mühe, die glorreiche Erhebung von 1813 anzurufen,als wären diese Jahre des Aufschwungs und der Hingebungnicht unzertrennlich und jämmerlich verbunden mit denJahren 1815 bis 1818. 19 und alle folgenden, mit derAbläugnung aller Verheißungen, mit der Verfolgung allerWackeren, mit der Erstickung aller guten Keime. Ja, das,das darf man dem deutschen Michel bieten, wenn man vonGottes Gnaden ist und ihm über die Polizeistunde hinauszu singen erlaubt. Hätte man doch beinah die Stirne, ihnan 1848 zu erinnern und lassen gewisse Wiener Hofdemo-kraten schon leise durchblicken, daß man in der Burg dieReichsverfassung noch nicht ganz vergessen habe und miteiner großdeutschen Auferstehung schwanger gehe. Welch einentsetzlicher Verlust, Haß gerade jetzt der Johann*) gestorben,und wo wird man den Reichshanswursten im Tyroler-röcklein hernehmen, um eine gemüthliche Verwesung einzu-setzen, bis daß wieder die Stunde gekommen sei. die Puppein den Kasten zurückzuschieben und dem Spatz in Frankfurt mit einigem Ernst von Pulver und Blei in der Brigittenau **)ein Ende zu machen! Ja, das alles habt Ihr vergessen undnoch viel mehr, wer könnte es aufzählen das Register groß-und kleindeutscher Eidbrüche und zerbrochener Werkzeuge?Und möget Ihr immerhin vergessen, wenn ihr nur denken

*) Der Reichstierweser Erzherzog Johann .

") Zu Wien, wo Robert Blum erschossen wurde.