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volution und die Blutgier der Demokratie Ach und Wehezu schreien. Noch abgeschmackter als die falsche Starkgeistereiist das Klugthun der realistischen Politiker, welche mit volks-wirtschaftlicher Nüchternheit die Unentbehrlichkeit eines Habs-burgischen Territorialbesitzes in Italien nachweisen.*) In derThat, Österreichs wirtschaftliche Blüte ist ein schöner Beweisfür den Segen seines Ltaws yuo. Es ist kaum glaublichund doch wahr, daß es eine Zeit lang beinahe Stichwort ge-wesen, dem Fluch österreichischer Verfinsterungspolitik denSegen des materiellen Wohls als Kompensation entgegen-zusetzen. Hat wirklich eine Art, dieses materielle Wohl!Ein Land, das in den Krieg hineingeht, verblutet und ver-armt, wie sonst kaum eines aus langem Krieg heraus ge-kommen. Assignaten, allgemeiner Landesbankrutt vor demersten Schuß! Ruinirte Industrie, entehrter Handel, Unmög-lichkeit des Verkehrs mit dem Ausland. Das sind die Vor-teile, welche einem halben Jahrhundert des Friedens unterdem Schutze des Mönchs- und Polizeiwesens entsprossen sind,und welche ganz Deutschland drohen, wenn es die schwäbischenReichsstände und süddeutschen Curialstimmen dahin bringen,daß habsburgisches Regiment siegreich über den Bund aus-gedehnt werde. Ein Land, das alle seine Unternehmungenmit fremden Kapitalien gründen, das um von der Hand inden Mund zu leben, seine Eisenbahnen eine nach der andernum den halben Kostpreis versilbern, seine Domänen ver-
*) Einer der banalsten Trugschlüsse in der Nationalökonomie ist,daß man ein Land besitzen müsse, um in vorteilhaften Handelsbeziehungenmit ihm zu stehen. New-Iork war Wohl fruchtbarer sür Liverpool alses noch einer englischen Kolonie angehörte? und Augsburg und Nürn-berg hatten keinen blühenderen Verkehr mit Venedig als dieses nochnicht dem österreichischen Bruderstaat einverleibt war? Lasset Ober-italien dem Habsburgischen Bettelmönchsregime entzogen sein, und eswird euch bessere Zinsen abwerfen, als wenn ihr es unter der soldatischenFuchtel zur Verarmung führet, wie die anderen österreichischen Provinzen.
Ludwig Bamberger's Ges. Schriften. III.
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