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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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loszubrechen, daß vorab keine Stimme hörbar werde, unddaß sodann der verblüffte Philister aus der himmelhohenEntrüstung des tonangebenden Auditoriums auf die Ruch-losigkeit des lautgewordenen Gedankens und auf die Unge-heuerlichkeit seiner eigenen Versuchung bei Duldung solcherBlasphemieen schließen müsse. So war es unter der bour-oonischen Dynastie peremptorisches Stichwort, jede Erinnerungan den Konvent niederzuschreien; so wurde Rüge nieder-geschrieen, als er zum ersten Mal gegen Österreichs Herrschaftin Italien sprach. Etwas Bestialität steckt ja immer imMenschen, und wenn man ihm das Toben noch gar zurEhrensache macht, so hat man doppelt leichtes Spiel.

Auch hat man in neuester Zeit die Ausrottung finstererVorurteile damit zu hemmen verstanden, daß man die An-feindung überlieferter Barbareien als unreife Sentimentalitätlächerlich zu machen bemüht war. Wenn Gut und Blut fürirgend einen angestammten Landesquälhans gebraucht wurde,da war kein Gefühl zu stark, keine Thräne zu heiß, keineTreue zu schwärmerisch. Ein ganzes Ländchen mußte inRührung schwimmen, wenn die allerhöchste Schwiegertochterglücklich in die Wochen gekommen. Aber handelt es sichum Abschaffung entmenschender Prügelstrafen, um Reinigungmittelalterlicher Halsgerichtsordnungen, welche mit dem Geistedes übermütigen Junkertums innig verwandt sind, so ist jedeHumanität und Nachsicht unpraktisches und schädliches Ge-fühlswesen. Gleicher Weise wird jede Teilnahme für die vonGrund aus berechtigte Erhebung Italiens gegen Österreich als unstaatsmäunische Jugendeselei verhöhnt, während es dochauf der Hand liegt, daß Sardinien dieselbe Sache verficht,welche Preußen verfechten müßte, wenn Deutschland zu einerExistenz kommen sollte. Brutalität aller Art als Nrkraft undGesundheit propagieren, das haben die hochobrigkeitlichenStimmführer allzeit meisterlich verstanden, wenn es sich nichtetwa darum handelte, über die Schreckensherrschaft der Re-