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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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der Stiefmutter zu entledigen. Je näher mir ein Feindsteht, desto hassenswerter und verderblicher ist er, und allesBöse, was Frankreich schon an Deutschland verschuldet hat,ist ein Sandkorn, wenn zu Österreichs hundertjährigem Gift-mischersystem verglichen. Während wie schon oft bemerktworden ein Angriff von außen zuweilen eine heilsameAufrüttelung innerer Kraft nach sich zieht, giebt es gegendas infame Erstickungs- und Erstarrungs-System innererBlutsauger keine Schadloshaltung. Es frißt beständig umsich, und wächst im Wirken. Habsburgs Despotismus undJesuiten-Allianz ist hundertjährig*) und endlos, Frankreichs Angriffe sind periodisch, dem Systemwechsel und den Macht-bedingungen unterworfen. Österreich ist hundertmal tätlicherfür Deutschlands Größe als Frankreich , zunächst aber han-delt es sich gar nicht um französische Angriffe. Der An-greifer ist vorerst Österreich und gegen den ersten Angreifersich zu verteidigen, verlangt der gesunde Menschenverstand;Oesterreich droht uns mit dreifacher Gefahr, einmal indemes den Kampfplatz von seinem oberitalienischen Boden indas Rheinland herüberspielen, indem es unsere Länder stattseiner Länder verwüsten, mit unserm Geld statt mit seinemNichtgeld die Kroaten ernähren will; zweitens indem es ausder Kalamität eines österreichisch-französischen Kriegs die un-gleich größere eines Universal-Krieges schaffen möchte, denndie auf jeden Fall bankerotte und gefährdete Monarchie hatja doch nichts zu verlieren; drittens schließlich und haupt-sächlichst aber indem es durch das in Wirkung gesetzte Soli-daritätsverhältnis mit seinen fürstlichen Satrapen und durchdie Überstimmung Preußens ganz Deutschland in die Taschestecken würde. Und das alles sollen wir hinnehmen, ja sollen

*) Die Anhänglichkeit für diesen (Jesuiten -)Orden ist in der Fa-milie Habsburg erblich geworden, schrieb Kaiser Joseph II. 1770 anChoiseul.