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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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jetzt schwarz-rot-goldnen Patriotismus, und Deutschtandberstet nicht vor Lachen! Oder sollen wir an die edlen Auf-wallungen von Hessen-Kassel glauben, oder an bayerischeStaatsstreichler, welche ihre Nachtmützen-Konstitution nochzu wild finden, um nach erhabenem Lon plaisir zu regieren!O Schilda, mein Vaterland!

Aber wenn ein Landesvater deklamiert, wer möchte dawiderstehen, und wenn eine hohe Obrigkeit die patriotischenLieder bis auf weitere Zuchthaus-Konstellationen fteigiebt!Stehen nun gar neben der Landespolizeibegeisterung diekatholischen Pfaffen, die man auch in protestantischen Ländernseit 1849 stets nach Belieben schalten und verdunkeln ließ,kommen endlich diebesten Männer" stets von ihrem In-stinkt herbeigeführt, da wo eine Eselei zu begehen ist, nndgetreu ihrem Beruf des ungefährlichen und impotentenPatriotismus und der Vertrauensseligkeit; gesellt sich zuallem dem die heilige Truhe, von deren Grnnd hohnlachendeösterreichische Schuldverbriefungen hervorgähnen: welch einRezept für eine öffentliche Meinung zu Habsburgs Erlösung!

Steht Einer auf und will an alles das erinnern, sowird er zuerst natürlich niedergeschrieen; als bezahlter Ver-räter, Franzose, Pole, Jude von derAugsburger " denun-ziert, die zur Stunde nur österreichisches Geld anerkennt,(dasür giebts nämlich immer noch Silber in den Kassen.)Ist aber schließlich den Argumenten doch nicht auszuweichen,so kommen die beliebten Theorien, die man je nach Um-ständen bald aus dem Sack herausholt, bald wieder hinein-steckt. Da heißt es vorab: aller innere Zwist muß schweigen,wenn es sich um äußere Feinde handelt. Mit Verlaub,es wird zwar große sittliche Entrüstung aufwirbeln, aber ichnehme mir die Freiheit doch zu bemerken: der innere Feindist bei weitem gefährlicher als der fremde, eine Stiefmutter,die mit Vergiftung droht, ist unendlich gefährlicher als einNachbar, der mich berauben will, und zuerst suche ich mich