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Unterschied zwischen beiden existiert, so ist es gerade deßhalbzu seinen Gunsten. Denn während die sogenannten legi-timen Herrscher von Notwendigkeit und durch ewige Familien-tradition, ja durch das Blut in ihren Adern zu ewigenNeaktionstendenzen verdammt sind, so liegt in ihm, demUsurpator. Neuerer, dem abenteuerlichen und unruhvollenCharakter wenigstens die Möglichkeit des Abweichens vondem Grundsatz des trägen Beharrens, und er kann doch,wenn auch wider Willen, aus Neuerungssucht und Ehrgeiziu eine Unternehmung hineingetrieben werden, welche aufden dunklen Wegen der Geschichte zum Frommen der Mensch-heit ausschlagen möchte. Was aber ist von einem Habs-burger, von einem Wittelsbacher, Nassau-Usinger oder Hessen -Rumpenheimer zu erwarten! Nicht einmal Ambition, alsetwa die auf Einführung eines neuen Gamaschenschnitts.Der Charakter der Habsburger und ihrer fürstlichen Hinter-sassen steht nicht höher als der Louis Napoleons , ihre Mo-tive sind ebenso eigensüchtig wie die seinigen, ihre Menschen-liebe ist nicht größer, die Freiheit ist ihnen nicht mindergleichgiltig als ihm, sie ist ihnen von Haus aus noch ge-hässiger und itsra noch gefährlicher. Da steht also die Wagevollständig ein, und wenn ich daher von den persönlichenMotiven absehe, so bleibt mir nur noch übrig nach demäußern Thatbestand zu fragen.
Da muß denn geantwortet werden: Napoleon dientim Augenblick wenigstens einer guten Sache. Ob er dieseSache später seinen Privatzwecken unterwerfen wolle, steht,wo alles Künftige seiner Natur nach unentschieden ist, dahin.Es wird die Aufgabe der Italiener sein, nachzusehen, daßdie Unabhängigkeit, für die sie jetzt mit ihm kämpfen, ihnennicht hinterher abhanden komme, und wir brauchen für sienicht klüger zu sein, als sie selbst für sich sein wollen, umso mehr, wenn wir uns als ihre Widersacher erklären. ImAugenblick dient Napoleon ihnen. Die Italiener, welche es