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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
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187
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18.

durch unzerstörbare Thatkraft. Ausdauer und Vaterlandsliebedahin gebracht haben, daß der seitherige Chef des europäischenDespotismus mit ihnen gegen den historischen Absolutismuskämpfen mutz, welche seinen Ehrgeiz an ihre gute Sache zufesseln verstanden haben, diese Italiener haben es jedenfallsunendlich weiter gebracht, als die liberalen Schwaben, welchenunmehr zur Gunst gelangen, für die Befestigung der WienerZuchtmeisterei verbluten zu dürfen. Garibaldi mag mit mehrGenugthuung unter der blau-weiß-roten Fahne kämpfen, alsdie Wiener Studentenlegion unter der schwarz-gelben. Denndie französische Trikolore ist zu ihm übergegangen, der er-habene Narr Studiosus aber kriecht zu den Füßen desKroatenfürsten, welcher ihn vor zehn Jahren hängen, assen-tieren und spießruten ließ

Dort kann die Freiheit um die Früchte des Kriegs be-trogen werden, hier streitet der Absolutismus für seinen ein-gestandenen Selbstzweck. Wenn ein despotischer Kaiser fürdie Unabhängigkeit zu Felde zieht, so ist er mir jedenfallslieber als ein französischer Republikspräsident, der für denPapst und die Österreicher zum Schwert greift, und ebensogut wie der Pseudotugendrepublikaner Cavaignac der italie-nischen Freiheit den Dolch ins Herz gestoßen hat, ebenso gutkann der Tyrann Bonaparte das Bollwerk der Dynasten-und Pfaffenherrschaft brechen. Er kann es doch wenigstens,und so lange die Möglichkeit existiert, steht es deutschenarmen Sündern schlecht an, den Lombarden zu grollen, weilsie nicht so erhaben sind, dem Pathos der Rotteckischen Welt-geschichte zu lieb, mit ihrem Befreiungswerk zu warten, bissie ein Heldenstück von Brutus und Lukretia ins Werk setzen,und mit ihren Spazierstöcken (denn Waffen hat man ihnenja nicht gelassen) die dreimalhunderttausend österreichischenBayonette zum Land hinausschlagen. Ja ein solches voll-kommenes Spektakel tragischer Historie verlangt der HerrProfessor von seinem Kabinet aus schauen und mit