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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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dünken muß, daß man den Verbrecher durch protestantischeEinmauerung bekehre, wie die Mitwelt nicht mehr glaubenkann, man habe dereinst durch die katholische Folter ihnausforschen wollen, so verzichte ich immerhin diesmal aufmein Lieblingsthema, schon um der Stunde schönes Gutnicht zu verschwenden, in der ich mich, von ernster Trübsalfern, an Deiner ewig grünen Thorheit zu ergehen denke.

Ja, das ist derselbige Mensch, der mir so oft lächelndgebeichtet, wie man im alltäglichen Leben mit jeglicher Ver-besserungslust in Haus oder Stadt, au Freunden, Sippenoder Gesinde nur den Kopf anrenne, derselbige Mensch,welcher jede Erziehung (außer der eignen) zur Fügung undToleranz als Illusion preisgab, und welcher jetzt wiefind' ich ihn wieder? Kaum hat das erste thörichte Hähn-chen aus dem Traume gekräht, so ist mein Jüngling miteinem Sprung ans dem Bette und hinaus, um die frischeBrust im Morgenrot des ungeborenen Tages zu baden.Nacht, mein Freund, stockfinstre Nacht! und was Du alsdas Gold der anbrechenden Sonne begrüßest, das ist derblasse Mondschein Deiner Fantasie, in welchem sich dieGespenster einer längst entschlafenen Welt erlustigen.

Also Deutschland willst Du wieder einmal befreien odervereinen:

Huis yuiä ubi, c^nibus auxiliis, «zur Hnomocko Huaocko?Hätte Einer vor Jahresfrist, da noch alle patriotischen Ge-fühle im Winterschlaf des Dezenniums begraben lagen,mir verkündet, daß er von Neuem das unglaubliche Werkder Wiedererweckung oder vielleicht richtiger gesagt, der Er-weckung unseres Vaterlandes zu staatlicher Existenz insAuge fassen wolle, so hätte ich mit Spannung, wenn auchgewaltig zweifelnd, aufgehorcht; denn ich hätte mir denkenmüssen, es handle sich um die Anwendung nie geahnter,nie erprobter Kräfte und Mittel. Heute aber weiß ich.woher der Wiud bläst, der Euren Glauben angefacht hat,