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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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und ich verzweifle von vornherein an diesem windigenWesen.

Ströme schwarzer Tinte und jenseits derselben amfernen Gesichtskreise einige leichte Nebelwölkchen vonPreußisch-Blau, das ist Alles, was ich sehe; das ist dasgelobte Land, das Ihr wieder einmal vom Horeb EuresExils aus erblickt und segnet. Und aus diesem Boden solldie Saat der Freiheit, seien wir bescheiden und sagen nur:die Saat der Einheit zum Himmel emporschießen?

Gesetzt nun auch, es geschähe das ganz Außerordent-liche, gesetzt sämtliche 12 000 Quadratmeilen des deutschenVaterlandes bedeckten sich mit Adressen an des Prinz-Rc-genlen Königliche Hoheit und mit Manifesten an denEisenacher Ausschuß; gesetzt es kämen hundert feierliche De-putationen nach Berlin und kassierten hundert schwerbedeut-sam nichtssagende Antworten ein; gesetzt auch alle Hof-lieferanten von Hannover verlören die königliche Kund-schaft ob ihrer Gesinnungstüchtigkeit: soll ich glauben, daßdamit auch nur eine arme Unterthanenseele aus dem deut-schen Sündenpfuhl erlöst werden möchte?Mit Hilfe vonBrod und Eisen, hat der Commissär des Convents gesagt,kommt man bis ans Ende der Welt, von Schuhen hat ernicht gesprochen:" von Tinte und Feder aber noch vielweniger. Bei uns daheim sieht es jedoch grade aus, alswäre dem so. Thatlosigkeit und Erstarrung sind vom Übel.Allein es gibt noch etwas Gefährlicheres: das ist die Schein-thätigkeit; das ist die selbstbewußte Selbsttäuschung, die imrastlos drehenden Eichhornskäfig herumwirbelt, ohne vomFleck zu kommen, und sich Wunder was von ihrer fort-schreitenden Regsamkeit einbildet. Meiner Treu, ich seheEuch noch lieber, wenn Ihr Euch verdrießlich an den Nä-geln kaut, als wenn Ihr Euch die Finger krumm schreibtund vermeint, nun habt Jhrs am rechten Ende angepackt.

Ich begreise, ja ich begreife es recht gut, und die