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Schrift hat Recht: am Anfang war das Wort. Aber esheißt doch auch: Bedenke das Ende! Mit unseren großenpolitischen Unternehmungen geht es wie mit so manchenlitterarischen. Man läßt das Publium auf kolossale Ency-klopädien unterschreiben, macht sich mit ungeheurem Eiferund Studium an den Buchstaben A, aber ehe die Liefe-rungen zum C oder D gediehen, sind Autoren, Verlegerund Subskribenten in eine bessere Welt hinüber entschlafen,und auf dem Bücherbrett bleiben die ersten Folianten miteiner gelehrten Vorrede und den Abhandlungen „Aar" bis„Beelzebub" verwaist stehen. Schon dreimal hat das Jahr-hundert auf ein freies einiges Deutschland subskribirt, undjedesmal hat es bei dem Prospektus und den ersten kost-spieligen Nummern sein Bewenden gehabt; eben hängt manzum viertenmal die Bogen aus. Danke schönstens! Habe genugsubskribirt; will mir gern das Grimm'sche Wörterbuchkaufen, wenn es erst fertig sein wird und in Eure politischeBewegung einsteigen, wenn ich erst sehe, welcher Orten derTintenstrom uns ans Land führen soll. Stellt Euch dochnicht, um's Himmelswillen, als sei für die Erkenntnisdeutscher Übelstände noch ein so großes Gebiet geistig zu er-obern. Die Vögel zwitschern's von den Bäumen und dieBuben jodeln's auf den Gassen. Was Deutschland fehlt?Nun, so verblümt beiläufig zu sagen: es ist eigentlich jakeine Krankheit, es ist eine Mißbildung, es ist gar keinCasus für die Medizin, es ist eitel Arbeit für die Chirurgie,und wo diese von Nöten ist, da helfen keine Tränklein nochSalben, so sehr es auch schwache Seelen gelüsten möge,darin Trost zu suchen.
Unsere Epoche macht sich selbst den Vorwurf des so-genannten Materialismus. Daß man sich eine Unvoll-kommenheit zur Last lege, bekundet notwendig das Vor-handensein der Vorstellung von einem vollkommneren Zu-stand, und damit zusammenhängend das Streben nach