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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
Seite
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Vorsicht, wie die Gefahr thörichter Hoffnungen, so auch dieGefahr thörichter Mißverständnisse. Warum muß ich alle-zeit gegen Österreich losziehen hören? Ist Habsburg Öster-reich ? Kann sich denn kein ehrlicher Mensch aus seinerLivree herausdenken, und prügelt Ihr Euch zuletzt, als treu-ergebene Lakaien, für die Knöpfe an Euren Röcken? Wennder Erzherzog Johann Gott habe ihn selig gesprochenhat: Kein Österreich, kein Preußen , sondern ein einiges ein-ziges Deutschland , so war er halt ein Herzog, und meinbürgerlicher Verstand erlaubt sich deu Wunsch, die beidenganz unschuldigen geographischen Begriffe durch die beidendynastischen ersetzt zu sehen. Kommen wir wieder einmalauf dem Gürzenich bei Austern und Rheinwein zusammen(was schon passieren könnte), so wollen wir vorschlagen, stattder Ost- und Nmd-Mark deutscher Erde die beiden NamenHabsburg und Hobenzollern im bruderliebenden Pokale auf-zulösen. Bis dahin aber gebt mir Acht, daß die gutenLeute an der Donau und sie sind dessen wohl kapabeles nickt für sich nehmen und mit Zinsen wiedergeben, wennIhr Österreich im Munde uud Habsburg im Gedanken habt.Schneidet mir ja den sympathischen Nerven nicht durch,welcher von Wien aus aus Deuischlands Herz zuläuft, erist mir verzeih mir die Sünde beinahe lieber als seinZwillingsnerv im Norden, und ich täusche mich sehr, oderder elektrische Schlag, der Leben bringen soll, möchte nochviel eher von dort unten heraufkommen. So manchmal,wenn ich den Konstabler unter den Linden seine Fortschrilts-Laterne putzen sehe, dieweil schwarte, donnergeladene Wolkensich um den Turm der Slephansknche zuiammeiiballen,summt es mir wie ein altes, almungsvolles Liedel im Kopfe:Schädliches Österreich , ich ziehe dich vor dem nützlichenPreußen!

Vor allen Dingen aber nähre mir keinen Vertrauens-luxus in fürstliche Größen. Wir haben an jenem schönen

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