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sondern die, welche am meisten von ihr erwarten, die,welche am lebendigsten für sie empfinden, erscheinen natür-licher Weise mich in der vordersten Reihe ihrer Angreifer.Von Cato bis Voltaire waren die eifrigsten Verfechter vonRecht und Wahrheit bittersprechende Pessimisten und habenBesseres gewirkt, als süßlich Verzückte, die im Interessedes eigenen Wohlbehagens dem Bedürfnis huldigen, überallVortreffliches und Anerkennenswertes zu gewahren. Pessi-miere nur immer zu! Aber ein Anderes ist: die Machtder schlimmen Thatsachen einzugestehen, ein Anderes, vorihr verzichtend zu verstummen. Ist jene Folter nicht dochgefallen, wie du selber anerkennst? und vor wem? und wirdnicht — wie du gleichfalls die Hoffnung anssprichst —auch jene Marterkammer des puritanischen Seelendünkelsfallen, die blödsinnbiütende Zelle? Und wenn du dichalso selbst nicht hindern kannst, im Vorbeigehen der umsich greifenden Macht des Gedankens ein Vertrauensvotumin den Schoß zu werfen, warum verlangst du von andernden Verzicht aus den Gebrauch ihrer geistigen Kräfte, dawo die körperlichen im Augenblick den Dienst versagen, dnMenschheit anbetender Pessimist, du sanftes Lamm derBildung im rauhen Wolfskleide der Verzweiflung! Aberso sind einmal heut zu Tage die furchtlosen Denker. Auslauter Angst, sie möchten vor den letzten Consequenzenihrer unerbittlichen Logik zurückschrecken, gehen sie lieberüber ihr eignes Extrem hinaus, und unversehens ins Lagerihrer Feinde. Beklagst du dich nicht selbst in deinem Briefeüber diejenigen, so die Waffen des philosophischen Geisteszu verräterischen Fechterkunststücken für die Erbfeinde desWissens und Forlschritts führen? Was Jene mehr oderminder bewußt thun, das treibst du ahnnngslos zum eignenSchaden. Gerade so verfahren auch jene modernsten Ver-götterer der Naturwissenschaft, welche von ihrer — imGrunde uralten — Entdeckung trunken, daß alles Leben,