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komme ich ebensowenig, wie irgend eine Sprache, über denBegriff des Geistes, d. h. des Denkens hinaus, und wärees auch noch tausendmal schärfer als geschehen und alsnötig ist, bewiesen, daß im Reiche der Intelligenz keinSperling vom Dache fällt ohne den Machtspruch des all-durchdringenden Stoffes. Räumst du aber dem Gedankendas Recht des Daseins ein, so mußt du ihm unvermeidlichdas Recht der Ausbreitung, der Fortpflanzung, das Rechtzur Hoffnung auf endlichen Sieg einräumen. Wohl oft-mals hört man von Solchen, die sich allen Beweisen zumTrotz nicht von dem süßen Troste einer unsterblichen Seeletrennen können, den verzweifelten Ausdruck hinschleudern,daß es in der Ökonomie ihrer Lebensanschauung für sieschier unmöglich sei, ohne die Annahne einer Fortdauernach dem Tode auszukommen. Ihnen kann man mit Rechtantworten: Ihr müsset auskommen, Ihr müsset Euch, wennEure Logik besiegt ist, auch im Gemüte mit diesem end-lichen Leben zurecht finden. Nicht so aber mit dem Glau-ben an Recht und Freiheit, d. h. an Wahrheit: dieses, ichmöchte sagen dieses Jenseits auf Erden gehört unentbehr-lich zur Ökonomie unseres gesamten, d. h. unseres geistigenLebens; es bliebe, könnten wir darauf verzichten, kein Not-behelf, mit dem wir uns begnügen möchten, es bliebe keinevernünftige Existenz, und alles Kulturleben würde zumUnsinn. Ich weiß es wohl, daß Künstler und Kunstaffensich einen ästhetischen Jndifferenzpunkt herausgezirkelt haben,von dem aus sie wähnen, den Weltuntergang ohne Störungihres eigenen Gleichgewichts mit ansehen zu können, jaohne nur in den Ätherregionen ihres Schönheitslebens be-rührt zu werden. Aber es gehörte, denke ich, nicht allzugroße Verstandesschärfe dazu, ihnen nachzuweisen, daß manin solche Voraussetzungen sich wohl hineinträumen könne,aber sich hineindenken nimmermehr. Alle Begriffe, durchwelche wir irgend eine Bejahung in Rücksicht auf den Ge-