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aus dem Zusammenwirken Vieler nach allbekannten Grund-sähen. Warum? Die Autwort ist sehr einfach. Das Böseist eben der partikularistische Vorteil des Einzelnen, das Guteist das harmonische Wohl Aller. Aus der Natur des Grund-wesens entspringt die Methode seiner Anwendung. Daherbleibt alle sogenannte Gesellschaftsrettnng nach plötzlich er-fundenen Rezepten, so weit sie nicht geradezu Betrug ist,wilde Fantasterei. Daher auch vermöchte derjenige Sozialis-mus, der mehr als eine humanistische Tendenz sein und sichzu einem ganz und gar die Gesellschaft umformenden Systemerheben will, erst dann ernstlich mitzusprechen, wenn er sicheinmal in praktische Forderungen eingelebt hätte, die ihrer-seits zu ganz elementaren Anschauungen des allgemeinen Be-wußtseins sich durchgearbeitet haben müßten. So lange ersich aber auf Pläne reduziert, welche bald so, bald andersvon einzelnen Köpfen ausgeheckt werden und in denschwankendsten und abenteuerlichsten Vorschlägen aufs Tapetkommen, so lange mag er als soziale Alchymie das Privat-studium in Anspruch nehmen, nicht aber die Ehren 'einerTagessrage und noch weniger die Ehren eines Zankapfelsin dem Kampf um politische Befreiung. Machen wir dochauf dem viel weniger schlüpfrigen Gebiete der Finanz-verwaltung stets von neuem dieselbe Erfahrung, daß es keineHexenkünste giebt, um eine arme Staatskasse in eine reicheumzuwandeln. Weil der einzelne Spekulant Geniestreichemachen kann, mittels deren er das Geld aus fremden Taschenurplötzlich in die seinen herüberspielt, hat die Gimpelhaftig-keit von jeher sich auch mit der Erwartung äffen lassen, ein„genialer" Finauzminister könne mittels irgend einer un-geahnten Kunst ans dem Nimis ein?1us machen. Aber siehat dabei nur übersehen, daß, wenn Peter dem Paul seinGeld ausschwindeln kann, es darum noch nicht gesagt ist,man könne alle bestehlen, um alle reich zu machen. Nein,mein genialer Herr Brück, mit all Ihrem Genie sind Sie