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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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Unter allen Hoch- und Not-Peinlichkeiten, in welchemich Dein unerbittliches Jnquisitoriat radikaler Streng-gläubigkeit verstrickt, beunruhigt mich keine Anklage so wenigals die, so aus Verkehr mit dem Schwarzen, soll heißen:dem Schwarz-Weißen lautet. Ich bin der That geständigund verlange dennoch Freisprechung. Meine Verteidigungbeschränkt sich auf den einfachen Satz, daß von etlichen unddreißig Übeln das größte das kleinste ist. Das ist die ganzeHexerei. Keine Spur von erotischen Trieben in diesemganzen Umgang, keine Anwandlung von Minne- nochWollust. Wenn ich den Namen Preußen höre, so fühle ichweder Glauben noch Liebe noch Hoffnung in meinem BusenHeraufziehen. Ich sage mir nur, daß ein großer Staat nieso erbärmlich sein kann als ein kleiner, und aus dem ein-fachen Naturgesetz der Schwere weiß ich, daß die kleinerenMassen von größeren angezogen werden, nicht aber um-gekehrt. Ist es irgend einer Zukunft vorbehalten, Deutsch-land auf monarchischem Wege zu einigen, so kann nurPreußen ihr Werkzeug sein, und in dieser Voraussetzungstelle ich meine Stimme zur Verfügung. Besitzt aber dieMonarchie weder Lebens- noch Heils-Kraft genug, um dieseSendung zu erfüllen, ;so soll es mich ebensowenig wundernals betrüben. Wie gesagt: ich kenne keinen Staat, als denGroßstaat, ich kenne keinen deutschen Staat als den preußi-schen, ihn allein können wir ohne das Gefühl schlechthinigerBeschämung nennen. Was jfür Grütze in all den anderenRegierungshandmühlen gemahlen wird, davon werden wirweder fett noch mager. Daß die protestantischen Beherrschervon Baden und Württemberg nach den Seligkeiten Päpst-licher Pantoffelherrschaft schmachten, wird das große Deutsch-land nicht zum Verderben führen, und daß der Herzog vonCoburg den National-Ausschuß beherbergt, wird es nichtretten. Aber lasse Preußen von allen Lastern der tief ein-gewurzelten Feudalherrschast zu einem freien Bürgerwesen