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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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Sprechen. Ist es nun so wunderbar, so veroammlich, so be-dauernswert, wenn bei dem Reden die schöne Rede zur. Gel-tung gelangt, uud kannst Du Dir es anders denken? Ihrjammert über den Einfluß der Advokaten, der Leute vonder Feder? So ist es Euch lieber, von Generalen undPfaffen regiert zu werden, nach der Vorschrift des Herrnde Maistre? Vor allein aber, ist das politische Leben alsSelbstzweck denn für nichts anzuschlagen? Steht hier plötz-lich das große Gesetz der Natur still, die überall Mittelund Endzweck in ewige Wechselwirkung verflicht? RechnestDu für nichts den Lebensgenuß, welchen ein frisches Teil-nehmen am gemeinsamen Dasein durch die Massen treibt;den Verbrauch an Intelligenz, welchen es erheischt; dieSaat von guten, weil aus der Enge in die Weite hinaus-sprießenden Empfindungen, von Bürgertugenden, welche esgroßzieht? Die Freiheit ist redselig und die Knechtschaftist stumm. Ehre der Sprache, sie ist der Inbegriff allesMenschenlebens. Und nun, mein Freund, nun verlangstDu schließlich, ich solle mich reinwaschen von der Anklagesträflichen Umgangs. Deine Späher berichten, sie hättenmich nächtens bald mit Gvthaern, bald sogar mit preußi-schen Prinzen fortschrittsbenebelt Arm in Arm aus derKneipe kommen sehen. Herr, was soll ich da sagen? Zumersten, daß Deine Späher und mehr noch Deine Fragenetwas indiskret sind, und daß es mir vielleicht dienen könnte,gar nicht zu antworten. Zum zweiten, daß der Mensch,der sich in den Strom des politischen Lebens hineinwirft,nicht immer mit jüngferlicher Vorsicht seinen Partei-Um-gang abgrenzen kann. Haben wir doch Könige vom ältestenGeblüt mit ihren Lazzaronis Brüderschaft machen sehen,um sich die Freiheit vom Halse zu schaffen, warum solltenicht einmal ein Demokrat zu der Fürsten - und Geheim-ratsbank sich herablassen dürfen, um der guten Sachewillen?