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land! Sehen Sie denn nicht, wie es überall vergiftend undverderbend wirkt, selbst mit seinem bloßen Beispiel. Wietonnen Sie sich nur von den Engländern zum Narren haltenlassen, die Ihnen hundertjährige Entwicklungsgeduld predigen?Ich will Ihnen sagen, was der Unterschied ist: Sie wissen,ich habe dieses Frühjahr einen Streit mit Herrn von P. ge-habt, und ich habe mit der größten Bereitwilligkeit zu einerAussöhnung die Hand geboten. Warum? In den erstenvier Jahren meiner journalistischen Laufbahn habe ich dreiDuelle durchgemacht, worunter zwei, die blutig ausgegangensind. Jetzt kann ich meiner humanen Antipathie gegen denZweikampf unbedenklich nachgeben, meine Ehrenstellung inder Gesellschaft ist gemacht, und kein Mensch wird mir leicht-sinnig zn nahe treten. Aber ein Kerl, der bei der erstenOhrfeige philosophische Kaltblütigkeit auspackt oder sich andie Gerichte wendet und hundert Franken Strafe plaidirt,der ist für immer verloren und wird stets im Leben denKürzereu ziehen. Der Engländer ist über das politischeDuell hinaus, es wagt ihm doch niemand eine Maulschellezu versetzen — bei ihm daheim wenigstens", setzte er miteinem vorbehaltvollen boshaften Lächeln hinzu. „Und, wasSie da gegen das Wesen der Revolution gesagt haben" —fuhr er fort — „ist nun vollends schnurstracks das Gegenteil°der richtigen Auffassung. Niemals war eine Zeit revolutio-närer als die nnsrige, denn ich nenne revolutionär das. wasnicht an die Dauerhaftigkeit der Ewigkeit appellirt. sondernan die Nützlichkeit des Augenblicks. Man wirft uns Fran-zosen die Häufigkeit unserer Umwälzungen vor und will auchvon unseren schönsten Revolutionen nichts wissen, weil damitdie Unruhe des ewigen Wechsels gesetzt sei. Aber, um GottesWillen! wo in der Welt erblicken Sie denn noch irgend einPrinzip ans den Füßen? Die Grundsätze laufen ja überden Erdball mit den Köpfen nach unten und den Beinen inder Luft, daß man sich schier tot lachen könnte; sie laufen