— 265 —
stack damals wirklich noch so viel Patriarchalisches in demMassenbewußtsein der größten deutschen Monarchie, wovonwir im Süden durch Glück uud Unglück längst befreit wor-den waren. Die Gemäßigten unter den Liberalen haben sicheine Zeit lang mit der Formel gewiegt, daß die preußischePolitik in Deutschland moralische Eroberungen machen werde.Ich kenne die preußische Politik und das süddeutsche Volkviel zu gut, um von diesen moralischen Eroberungen vonoben herab etwas erwartet zu haben. Aber da ich eigentlichgut preußisch gesinnt bin, d. h. da ich an die allein selig-machende Kraft des großen Einheitsstaates glaube, und inPreußen die größte fertige Gruppe zur Assimilirung desÜbrigen sehe, so tröstet mich jetzt der Gedanke, daß in diesemAugenblick der wahre Weg der moralischen Eroberung ein-geschlagen ist. Nämlich der Weg der moralischen Eroberungvon unten durch exemplarisches Volksbeiragen. Die Schmer-ling und ihre großdeutschen Marktschreier freuen sich mit dem,was sie für eine Kompromittirung der preußischen Populari-tät ansehen. Ich aber glaube, es ist jetzt in die Hände desVolks in Preußen gegeben, alle gegen es in Deutschland be-stehenden thörichten Vorurteile zu zerstören. Die Wahlenund die Kammerabstimmungen haben einen guten Anfanggemacht. Die Gerichte könnten es vollenden; aber so weiterhebe ich meine Hoffnungen noch nicht. Nehmen Sie. meineHerren", schloß ich, „die jetzigen Vorgänge in Berlin nichtzu wichtig. Gewiß, sie werden ein historisches Merkzeichenbleiben, aber die deutsche Frage wird nicht isolirt an EinemPunkt entschieden werden und die heurige Krisis ist nureiner der zahlreichen Prozesse, die wir noch allseitig undvorbereitend durchzumachen haben."
Wir nahmen unsere Hüte und gingen heim. Als wirans Wasser kamen, sagte Mr. Gregoire, indem er meinenArm nahm: „Hier auf diesem Hnai ä'Ors^ bei ähnlichemRegenschauer führte man uns Depulirte am 2., Dezember