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und er nahm Alles für den König, wie er sich selbst seitfünfzig Jahren kaiinte und wie er sich bei mehr als einerGelegenheit rückhaltlos gezeigt hatte. Offenbar war der Königim Rechte und offenbar stützt er sich noch heute auf jeneschönen Tage erster Huldigung, wenn er sich für populärerhält, als seine ganze Kammer. Einer unserer ehrwürdigstenRadikalen hat einmal bei einer denkwürdigen Gelegenheitgesagt: es ist das Unglück der Könige, daß sie nicht dieStimme der Wahrheit hören wollen. Ich möchte es geradeumdrehen und sagen: es ist das Glück der Könige, daß ihnendie Völker so viele Unwahrheiten zum Besten geben. Sowenig eine schöne Frau sich von ihrer Jugend, so wenigkönnen sie sich von der Vorstellung ihrer Popularität trennen,wenn sie letztere auch nur einmal gekostet haben/'
„Und wie glauben Sie", fragte mich der alte Herr, „daßdie Sachen sich in Preußen entscheiden werden?"
„Ich bin darauf vorbereitet", anwortete ich, „daß siesich gar nicht entscheiden. Zuvörderst ganz mechanisch g-enommen, so haben sie da eine Verfassung, die wirklich vonHause aus keine war, denn sie kennt auf der einen Seitekeine Steuerverweigernng und auf der anderen keine Minister-anklage. Die einzige Art, wie daher die preußischen Bürgereinen gesetzlichen Widerstand leisten könnten, bestünde darin,daß die Beamten nnd Lieferanten des Staates keine Gelderannähmen und die Inhaber der Staatsschuldverschreibungenkeine Zinsen; aber auf dieser Höhe der Entsagung sind wirdenn doch noch nicht angekommen. Die Preußische Fragewird sich dadurch auf ihren wahren Standpunkt einer allge-mein deutschen zurückbegeben, daß sie das chronische Zer-würfnis zwischen Volk und Regierung ausbildet, welchesvorläufig das Gefäß unserer Zukunft ist. Was 1848 ver-hindert hat, daß Preußen nnd Berlin — wie zu wünschengewesen wäre — für die ganze Nation maßgebend wurden,das war der Unterschied der volkstümlichen Gesinnung. Es