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duldig zum Schlüsse eilt, erbebt sie in sich selbst bei derMahnung an die verbrecherischen Spuren, welche sie vielleichtauf diesem selbigen Papier unbewußter Weise dem nach-wandelnden Auge der Polizei zurückgelassen hat. Mit einerVorurteilslosigkeit, die eines besseren Objektes würdig wäre,haben auch die legitimsten und deutschesten aller Staats-maschinen sich die modem französischen Erfindungen ange-eignet, vermöge derer die altberühmte Kunst, einen Menschenmittelst dreier geschriebenen Wörtlein an den Galgen zubringen, in schöne Regeln gebracht ist. Die obrigkeitlicheVerwarnung, das berüchtigte ^.vörtisssrasiit in seinem steigen-den Dreiklang, hat von Paris aus die Runde durch Europa gemacht, ist über Wien nach Konstantinopel und Ägypten ge-drungen, von Algier nach Marokko und hält vielleicht indiesem Augenblick seinen Einzug in Mexiko zugleich mitjener Freiheit der Selbstbestimmung, welche der GeneralForey den Gauchos so graziös osferirt hat. Schlimmer abernoch ist die göttliche Fülle jener Vorrichtungen, welche baldals Aufreizung zum Haß und zur Verachtung der Obrig-keit, bald als Aufstachelung einer Klasse gegen die andere,oder als Verletzung des schuldigen Respekts, oder als Her-absetzung in der Meinung der Standesgenossen u. s. w. andem Journalisten diejenige Grausamkeit verübt, welche dieBibel doch selbst am dreschenden Ochsen verpönt haben wollte.Es ist ein Wunder, wie man bei solchen gesetzlichen Kom-plikationen überhaupt ungestraft etwas Anderes laut sagenkann, als daß Alles aufs Beste geordnet sei in der bestenaller Welten, was ich auch hiermit, unter Wiederrufung allesVorausgegangenen, feierlich zu Protokoll erklären will.
Ludwig Bamberger'S Ges. Schriften III.
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