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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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Keiner anderen Bewandtnis ist es zuzuschreiben, daßseit dem Jahre 1849 die Gegner der Freiheit ihren ver-läumderischen Feldzug gegen den Parlamentarismus mitsolchem Erfolg weiter führen konnten. Aus dem Parla-mente eine unbedingte Forderung zu machen, ist unter allenUmständen eben so notwendig, als es verderblich ist, eineGottheit, ein Lebenselixir, einen Balsam für alle Schmerzendamit zu verkündigen. Es war ja gar zu natürlich, daßein Volk, wie das unsre, indem es zum ersten Mal nacheiner vielhundertjährigen Laufbahn in seiner Gesamtheitpolitisch auftrat, indem es zum ersten Male die Stimmedes Vaterlandes aus dem Grunde der vierzig Millionenheraufschallen hörte, daß es damals andächtig aufhorchte,und daß die Erkorenen selbst mit in die selige Anbetungversanken, welche ihnen von der unabsehbaren Gemeindeihrer Gläubigen dargebracht wurde. Als dieser Tempel hilf-los zusammenbrach, weil sein Dach auf Säulen unschulds-voller Fantasie nnd nicht auf Grundvesten thatsächlicherZustände gebaut war, beeilte sich der böse Geist, daraus dieLehre zu ziehen, daß es ein eitles törichtes Ding sei mitallen Volksvertretungen, Wahlkörperschaften und rednerischenVerhandlungen. Und am selbigen Tage, da der Katzen-jammer auf den Rausch gefolgt war, hat sofort die lauerndeReaktion das Senkblei nach der Stelle ausgeworfen, an dersie den Anker einhaken könnte für ihr dunkles Fahrzeug.

Dasselbe Fahrzeug trägt jetzt den Cäsar, und wennauch für den Augenblick sein Glück, doch wahrscheinlich nursein kurz gemessenes. Trotz aller Schwächen, welche mandem Parlamentarismus nachgewiesen hat, wird immer undewig eine aus Volkswahlen hervorgegangene Versammlungals der eigentliche Qnell aller Gesetzgebung und als dererste Helfer gegen alles Unrecht in der Mitte eines jeglichenStaates thronen, der in Freiheit leben und wachsen will.Und selbst die höchste Achtung, welche der Majestät einer