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„Schlaf, mcm Kind, schlaf leis,Da draußen geht dcr Preufz."
So klang der Refrain eines badischen Schlummerliedesaus dem Jahre 1849 von Ludwig Pfau , das wir eben soungern als unvermeidlich dem Leser vorenthalten. Ausseinen herzinnigen Tönen voll bittrer Wehmut und heiligenZorns, wie sie damals der gepreßten Seele entstiegen, gehtuns noch heut die Mahnung zu, daß Preußen nicht zuannektieren braucht, um die Hand auf den deutschen Klein-staaten zu haben, daß die Fürsten von rechts und linkszwar selbständig genug smd, um auf eigne Faust schlechteWirtschaft zu führen, aber nicht selbständig genug, um aufeigene Faust sich vertreiben zu lassen, so daß schließlich derSüdwesten in allen Punkten, wegen deren er Preußen scheut,doch unter dessen Oberherrlichkeit, dagegen von allen Vor-teilen, die es bietet, ausgeschlossen ist und nicht einmal mitdem Gewicht einer Stimmkugel zur Änderung seines eigenenSchicksals beizutragen vermag. Denn der Schwerpunkt seinerEntwicklungsfähigkeit liegt vor wie nach in der preußischenGewalt, d. h. ganz und gar außer seiner Sphäre. Wie demimmer sei, es war damals und bis auf die neueste ZeitHaß und Widerstreben aus lebendigen, greifbaren Thatsachennatürlich erwachsen, es war der Groll der Freiheit gegen dieContre-Revolution, gegen den Feudalgeist, gegen alle nachund nach aus der Niederlage der Märztage wieder mitwachsenden: Übermut sich aufrichtenden Gewalten. VonCäsarismus und ähnlichen künstlichen Warnungen war nichtdie Rede.
Wie kommen wir zu diesem Stichwort? Es kann hiernicht unternommen werden, die Geschichte dieses Wortesund des von ihm umschlossenen Begriffs zu schreiben. Wiedie moderne Formel mit dem Römertum und Mittelalter,mit heidnischer und christlicher Weltherrschaft zusammen-hängt, mag um so mehr unausgeführt bleiben, als diese