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Purpur des großen Helden um die Schulter wirft? Wassoll ihm dieser Mantel, der sich so ganz und gar nicht rollenläßt? Freilich wissen wir, zu welchen schmeichelhaften undbedenklichen Parallelen mit alten und neuen Cäsaren sichdie Reden und Thaten des leitenden Staatsmannes ver-wenden lassen, aber es ist trotz alldem nicht das besondereAuftreten dieses Mannes, welches unseren Süddeutschen ihrgerechtes und ungerechtes Widerstreben einflößt. Es ist deralte preußische Stock, mit welchem hundert Jahre lang dieUnterthauen von ihren Königen traktirt wurden, es ist diesichtbare und unsichtbare Soldatenfuchtel, welche so langeüber dem Lande geschwebt hat, es ist der Gesamtbegriff vonsteifer Eleganz und abstoßender Grazie, die Kunst, sich un-nötig verhaßt zu machen und jede Tugend mit einen:Stachelkranze von Unausstehlichkeiten zu umgeben — dasist es, wovor man, jetzt wie vor siebenzehn Jahren, südlichvom Main zurückschaudert. Es ist auch die altherkömmlicheSouveränetät auf ihrem Roedsr äs brovxs, mit der inWirklichkeit das neue Deutschland die Frage seiner Zukunftauszumachen hat. Es ist der alte Kampf des beschränktenUnterthanenverstandes, der weder an der Tiber , noch ander Seine zur Welt gekommen ist, nicht gegen die Staats-lehren von Macchiavelli oder Romien, sondern der HerrenStahl, Leo und Gerlach. Man muß sich bliud machen, umdas nicht zu sehen.
Wenn wir aber solches Gewicht darauf legen, nachzu-weisen, daß es nur auf Leichtsinn oder Kriegslist beruhenkann, die Furcht vor dem Cäsarismns mit der Furcht vordem Preußentum zu vermengen, so handelt es sich um etwasganz Anderes, als um einen Wortstreit. Der Cäsarismusist die Rückbildung, die Umkehr, der Weg nach Abwärts,das Grab der Revolution, der Untergang, der mit Glanzund Festen beginnt und mit Fäulnis endet. Wir aberhaben nichts vor uns, als den alten, harten, unliebens-