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so näher, als sie ihre Belehrung über Deutschland seit dem Kriegvorzugsweise aus süddeutschen Ledern bezogen. Andere wieder,denen die Tendenz der inneren deutschen Politik gleichgültiger war,schöpften ihre Antipathie gegen Bismarck und die deutsche Um-gestaltung mehr aus Beherzigung französischer Interessen. Sie be-klagten die Störung dessen, was sie das europäische Gleichgewichtnannten, was aber für sie in Wahrheit das Uebergewicht Frank-reichs bedeutete. Beide Teile stimmten darin überein, daß sie nichtnur das Ganze der neuen Wendung und ihres Urhebers perhorres-zierten, sondern auch die Weissagung eines preußischen Angriffsgegen Frankreich daran knüpften; die Einen, weil sie behaupteten,das reaktionäre Preußen werden nicht ruhen, bis es das. auch unterNapoleon noch revolutionäre, Lrankreich unterdrückt haben würde;die Andern, weil sie erwarteten, die Erfolge der preußischen Waffenmüßten zu Croberungsgelüsten anfachen. Merkwürdiger weise istja die Prophezeiung eines Kriegs auch in Erfüllung gegangen, abermit dem Unterschied, daß, wie so manchmal, der, welcher den Teufelan die wand malte, ihn auch herbeirief, von den tieferen Beweg-gründen des Bruchs mit Gesterreich, von dem inneren Eonncrzwischen dem preußischen Siege und den nationalen Zielen desdeutschen Volkes hatten nur die wenigsten eine Ahnung.
Nicht blos im Dienste der objektiven Wahrheit, sondern ganzeigens zum Zwecke besseren Einvernehmens zwischen der öffentlichenMeinung in Frankreich und dem neugestalteten Deutschland stelltesich der Gedanke ein, dem versuch der Aufklärung Worte zu geben.
Nachdem ich die Arbeit vollendet hatte, wünschte ich zunächstsie in der Revue des dsux moucles zu veröffentlichen. Der mir nahebefreundete Historiker Pierre lLanfrey wollte es vermitteln, kamaber mit der Ablehnung zurück. Buloz, der Herausgeber, hatte denArtikel zu preußisch gefunden. Der Alte war bekanntlich ein.virtuos in der Beurteilung seines Publikums und wußte was eshören wollte. Darauf wandte ich mich an die Revue moderne,die aus der ehemaligen kevue Oermallique hervorgegangenwar, aber die besondre Beschäftigung mit deutschen Stoffen.