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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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denen ich annehmen kann, daß sie jemand mit ganzer Über-zeugung in sich trage, obgleich sie irriger Natur sind.

Ich habe mich immer bemüht, namentlich seit es mirvergönnt war, wieder nnter meinen Landsleuten zu sein,von Gegnern, deren ich viele zu meinen Freunden zähle,zu erfahren, was uns denn eigentlich trenne; und ich habezunächst immer sagen hören, daß an und für sich gegendas Neugeschaffene, das uns geboten wird, nicht so vieleinzuwenden sei, daß man aber sich enthalten müsse, es an-zunehmen, weil es uns auf eine uugerechle Weise zu-gekommen sei; weil man den Krieg nicht billigen könne,und daS Verfahren nicht billigen könne, mit dem man eserworben hätte. Ich muß die Unschuld solcher Freundewirklich bewundern, nnd ich habe mich gefragt: in welch'rvsenfarbiger Welt wir denn leben, daß man glaubt, wirkonnten die Güter dieser Erde auf die reinste, unschuldigst«,uud gerechteste Weise in der Politik erwerben? Wenn ichdie Zustände unseres Landes betrachte, wenn ich das Un-heil sehe, das auf Deutschland ruht und mich sragc, wvheres rührt, so mnß ich antworten: Es ist das Resultateines tausendjährigen Unrechts, das an der deutschen Nationbegangen worden. Und wenn wir von der tausendjährigenLast dieses Unrechts befreit werden sollen, dann soll ichsagen: ich will nichts davon wissen, weil wir nicht nachden Vorschriften der Rechtstheorie erlöst worden sind? Wosollen wir mit solchen Doktrinen hinkommen, und nament-lich, wo sollen Revolutionäre mit solchen Doktrinen hin-kommen, die doch wahrscheinlich auch wisse», daß glücklicheRevolutionen nicht mit dem Gesetzbuch in der Hand gemachtwerden? Ich habe es schon einmal gesagt, es kommt mirwirklich so vor, wie wenn einem etwas gestohlen wordenist und der Dieb es ihm endlich zurückbringt, der Eigen-tümer aber ausruft: ich will es nicht, ich muß es erst

Ludwig Bamdergcr's Grs, Schriftcn, IV. g