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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
Entstehung
Seite
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die lebendige» Interessen einer auf der Erde wandelndenNation zn schützen und zu vertreten, sondern ein theoretischesSpiel mit Formeln und Floskeln war bei uns der Mittel-punkt der politischen Streitigkeiten; die lange Gewohnheit,uns in religiösen Zwisten zn bewegen, die nicht das Inter-esse dieses Lebens berühren, hat nns dahin gebracht, daßwir uns gewöhnt haben, auch die Fragen des praktischenLebens wie religiöse Streitigkeiten, wie bloße Theorienohne durchschlagenden Wert zu behcmdelu, und es ist soweit gekommen, daß wir uns leider schou wieder mitten imReligionshader befinden, was unsere Partei tief beklagt.Ich will diesen Gegenstand nicht weiter berühren, aber mitFreuden ergreife ich die Gelegenheit, nm hier zu erkläreinWir haben in religiösen Dingen nur eine einzige Über-zeugung, das ist die, daß wir Anhänger der unbedingtenFreiheit in allen Stücken sind und daß wir der deutschenNation auch das Zutrauen schenken, daß sie in religiösenDingen die unbedingt größte Freiheit vertragen kann. Wirappellieren an keine religiöse Partei, uns zu unter-stützen.

Wir betrachten den Kamps für's Wohl uud WeheDeutschlands und die lang ersehnte Einigung unserer Nationzunächst als einen Kampf praktischer Lebensintcressen unddie Religion als eine Frage des Jenseits und des innerenMenschen, nnd es kann uns nichts Angenehmeres und Er-freulicheres begegnen, als wenn in dem bevorstehendenStreite hcnte zum letztenmale von religiösen Fragen dieRede gewesen ist. (Stürmisches Bravo!)

Von den bisher widerlegten Gegengründen sind diemeisten solcher Art, daß ich Mühe habe zu glauben, siekönnten einem Menschen, der mit Verstand und Aufrichtig-keit nach Wahrheit geht, als ehrliche Einwände erscheinen.Aber es giebt auch allerdings Bedenken besserer Art, von