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Bnudeskanzler verantwortlich und sind seine Kollegen, jederseiner Kammer, also namentlich der Preußischen , verant-wortlich.
Ich komme nnn zu einer anderen Anklage, die manuns entgegenschlendert. „Ja," sagt man, „Ihr seid EurerMeinung abtrüunig geworden, Ihr seid ehemals radikalund für die Freiheit beseelt gewesen, und setzt?!" — Wasweis; ich alles, welchen Ungeheuerlichkeiten wir huldigen!Wäre» nur nicht in den Ansaugen unserer politischen Ent-wicklung, so wären dergleichen Vorwürfe wirklich undenkbar.In andern Ländern, die daS Glück haben, sich schon längerin politischen Fragen zu bewegen, da verlangt man voneinem Manne nicht, das; er etwa heute etwas uicht fürRecht auerkeuue, weil er eo vor Jahren nicht für Recht an-gesehen hatte. Da verlangt man uur Wahrheit nach seiuemHerzen und legt uicht falsches Gewicht ans eine scheinbare,äußere Konsequenz, weil diese mit dem Herzen und derÜberzeugung nichts zu thun hat. Ich erinnere Sie nuran deu großen englischen Staatsminister Robert Peel , derdie erste Hälfte seines Lebens die Interessen der Schutz-zölle vertreten; wie er plötzlich zur Erkenntnis gekommen,die Interessen der Handelsfreiheit in England zn verteidigenunternahm. Einen krasferen Übergang hat vielleicht diepolitische Welt nie gesehen, und glauben Sie, daß es inEngland jemanden eingefallen wäre, der sei ein Abtrünniger,ein schlechter, verächtlicher Mensch? — Nein, niemanden istdies cingesallen. In gebildeten Ländern wird es nie je-manden einfallen, einen Mann seiner Politischen Gesinnunghalber, für die er aus innerster Überzeugung eintritt, an-zugreifen.
Es ist leider in unserem lieben Deutschland so Sitte,daß man sich lauge gewöhnt hat, die politischen Aufgabennicht als etwas Praktisches zn betrachten, das berufen ist,