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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
Entstehung
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sich gehen. Das Volk ist nicht so unschuldige es weiß, daßMacht und Ungerechtigkeit vielfach in der Weltgeschichte ge-herrscht haben nnd wir anch berechtigt sind, Erreichbareshinzunehmen, ohne deswegen das Recht zu verleugnen;denn wenn nur auf Rechtsgrundlagen dauernder Bestandzu finden ist, so giebt es doch nur Ein Mittel, das ge-drückte Recht zu befreien; nnd das ist, wir wissen es wohl:die faktische Übermacht. Wie lange sollen wir denn nachihrer Theorie warten, nm dem Volke zu gebeu, was esaugenblicklich schon haben könnte? Glauben wir, daß es ineinem, zwei, drei Jahren den Ursprung vergessen habenwerde? Das Gedächtnis ist nicht so kurz, nnd wir thunbesser daran, aufrichtig nnd ehrlich einzngestehen, warumein Gnt uns annehmbar und vorteilhast erscheint, als unsdamit zu täuschen, daß wir nach einigen Jahren dem Volkeeinreden könnten: hier sei ein reiner Rechtsprozeß vollzogenworden. Wenn wir das Volk so erziehen wollen, so komnumir das wahrlich so vor, wie wenn die Jugendlehrer denKindern im zarten Alter allerhand religiösen Wahn vonEngeln nnd Teufeln vorführen, weil sie noch nicht reisseien, andere Wahrheiten, die davon abstrahieren, zu erkennen.

Ich habe nie der Überzeugung gelebt, daß man demjungen Menschen eine andere Lehre beibringen soll als die,der er berufen ist, im späteren Leben wesentlich in seinemHerzen zn tragen. Es ist mir ein jeder recht, der nachseiner Überzeugung lebt und handelt; aber wenn ich Kinderzu erziehen hätte, würde ich ebenso wenig heute religiöseWahrheit lehreu, um sie nach zehn Jahren dem Spott zuüberliefern, wie ich heute iu der Geographiestnude sagenwürde: Die Erde sei viereckig, nm in drei Jahren zu sage»,sie sei rund. (Bravo ! Heiterkeit.) Lassen Sie uns, weilwir auf diesem Kapitel stehen, untersuchen, was es mit