— 36
jenen frappanten Sätzen auf sich hat, denen man mit Wutund Unwillen am meisten entgegentrat. Man hat gesagt,der leitende Mann habe das Wort ausgesprochen, daß Machtüber Recht gehe. Was ist Wahres daran?! Inwiefernmüssen wir den Satz anerkennen? Wir können das Fak-tum, daß Macht auf dieser Erde herrscht, ebenso wenigwegleugnen, wie das Faktum, daß der Mensch einen sicht-baren stofflichen Leib hat. Wir können es nicht leugnen,daß die Gewalt eine große Wichtigkeit in den Angelegen-heiten dieser Welt ausübt, daß der Besitz der Herrschaftallein schon oft imstande ist, dem Recht Gehorsam oderNiederlage zn bereiten, und wenn wir uus zu Gemütführen, daß wir in Deutschland immer einen großen Über-fluß an Recht und einen großen Mangel an Macht in allenDingen der Entfaltung der Nation hatten, so dürfen wiram Ende es nicht als eine Verneinung thatsächlicher Wahr-heiten erklären, wenn Derjenige, der Deutschland zu einerneuen Gestaltung herbeiführen wollte, auch das Bedürfnisfühlte, das Gleichgewicht herzustellen und dadurch die Machtzu haben, damit dem Recht der Nation auf Existenz endlichseine Bahn gebrochen werde. Machen wir uns nicht blinddarüber, wir geben uns nur ein Zeugnis der Unreife, wennwir verkennen wollen, daß die Nation, die etwas sein will,anch die Macht haben muß, es zu sein, nnd daß es nichtgenügt, die schönsten Worte von Recht uud Einheit Deutsch-lands zu deklamieren, wenn Sie nicht die Macht wirklichphysischer Mittel besitzen, dieses Recht durchzuführen. Ja,ich will es wagen; denn obgleich ich überzeugt bin, in ge-wissen Blättern, die es sich zur Aufgabe machen, alles zuentstellen, was in unserer Partei vorgeht, wird auch dieswieder entstellt werden, will ich es wagen, rücksichtslosund furchtlos einen Namen auszusprechen, der als Vogel-scheuche, als Zielscheibe aller Vermaledeiung hingestellt