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Sie lernen auf diejenigen zu achten, welche ihre Anstrengungenauf thatsächliche Wirksamkeit berechnen. Das ist ost nichtamüsant, aber vom Amüsement kann man in der Politikso wenig leben, wie in anderen Geschäften; auch da giltdas Sprichwort: was mit der Trommel verdient wird, gehtmit der Flöte zum Teufel. Wenn Sie die Debatten desReichstags verfolgen wollen, um Ihre Nerven mit Kuriosi-täten zu kitzelu, so müssen Sie allerdings die Ergüsse derHerren Mende, Schweitzer und anderer Effektredner lesen,welche politische Zutunftsmnsik blasen; wenn Sie sich aberfür die zunächst erzielbaren Fortschritte aus allen Gebietendes Staatslebens interessieren, so werden Sie unsere natio-nalen Gesinnungsgenossen im Reichstag stets im Vorder-grund, die ersten und die letzten, wie die einflußreichstenbei den Verhandlungen finden. — Im Zoll-Parlamentmüssen Sie sich diesmal noch mehr als im Reichstag aufrecht hausbackene Kost gesaßt machen. Schon die Weiseder Eröffnung dentet das an. Kein König, kein Kanzlerwar dabei. Herr Delbrück , der Vorsitzende des Bundes-kanzleramts, besorgte das Geschäft. Ich wollte wetten, diewenigsten von Ihnen wissen Bescheid, welcher Unterschiedbesteht zwischen dem Bundeskanzler und dem Vorsitzendendes Bundeskanzleramts. Nun denn, der Kanzler ist GrafBismarck, der vielgepriesene, vielgescholtene Testaments-vollstrecker aller im unschuldigen Kindesalter verstorbenendeutschen Revolutionen, noch stets behauptend, daß er einstvom Oberrechuungshof der Weltgeschichte einen vollständigentlastenden Quitus für die Besorgung seines Mandatserhalten werde. Der Vorsitzende des Kanzleramts ist HerrDelbrück , man könnte sagen der Maschinenmeister und Werk-führer des eigentümlichen Apparats, welchen Graf Bismarcksich auf seineu Leib gebaut hat und welcher dereinst wirdzerschlagen werden müssen, wenn er von ihm herabsteigt.