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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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zu erhalten, ein Abkommen anzunehmen, dessen Billigkeitmit Ziffern zu beweisen war. Und wer widerstand, daswar allem Graf Bismarck.Nein," sagte er,der Bienmuß!" Ist er nicht der Letzte, der so sprechen sollte? Werhat denn die ganze plausible Theorie verkündet, daß gutePolitik auf Kompromissen sich vorwärts bewegen müsse?Wer hat sie jahrelang gepredigt? Wer anders als derBundeskanzler? Aber Graf Bismarck will nichts davonwissen, wenn er einmal selbst dazu beitragen soll.Ja,Herr, das ist ein anderer Fall!" heißt es dann. Wielagen doch die Sachen? Die Regierung sagte: Der neueTarif, d. h. vor allen Dingen die Herabsetzung der Eisen-nnd Reiszölle und Abschaffung einer Menge kleiner, schäd-licher und nichts eintragender Zöllchen, das ist dringendeNotwendigkeit. Allein der Wegsall dieser Einnahmen machtuns ein Loch in die Kasse von 1 037 584 Thlr., und zuentbehren haben wir bekanntlich nichts, missen können wirnicht einen Pfennig. Alfo ersetzt es uns mit einer Steuerauf Petroleum , die wir auf etwa 900 000 Thlr. schätzen; worauf das Parlament: Petroleum? Das geht nicht,aber hier ist Enre Rechnung: Ihr schlagt vor, die Runkel-rübensteuer zu erhöhen um einen halben Silbergroschen*),macht pro Jahr 750 000 Thlr. Nun bietet Ihr im Tarifuoch an, den Reiszoll herabzusetzen; der Ausfall würde be-trage« 428 000 Thlr . Nehmt diese Herabsetzung zurückund legt ihren Betrag zu den 750 000 Thlr . Erhöhung,macht in Summa 1 178 000 per 8a,1äo 8g,1äorurQ denStaatskassen einen Profit von 140 416 Thlr. gegen ihreneigenen Vorschlag. War das billig gesprochen? War dasgesprochen, wie es Leuten zukommt, die Einsicht annehmen?Ich dächte doch. Und zum Beweise: aller Welt war es

*) per Ztr. Rüben.