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4 (1896) Politische Schriften von 1868 bis 1878
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Herrlichkeit. Und wollen mir darüber hinaus, so schreites von rechts und links, von oben und unten: Inkompe-tenz! Inkompetenz! Ich aber sage: Zölle reformieren heißtwesentlich: Zölle abschaffen, und wenn ich den Staatnicht zwingen kann, sür die abgeschafften Zölle auf andereWeise Ersatz zu finden, durch Einnahmen oder Ersparnisse,so kann ich ihm nicht helfen. Wir wollen ihn kurieren,daß er aufstehe uud gehe, nicht aber, daß er sich in seinemKrankenbett nuu eine zeitlang auf die Petroleumseitekehre, nachdem er sich bisher auf der Eiseuseite wuud ge-legen. Dieser bloße Wechsel ist, was ich die falsche Theorie,die alttestameutarisch brutale, dasZoll um Zoll" genannthabe.

Die preußische Regierung aber, mit solch falscher Zu-mutung nicht zufrieden, stellt eine noch weitergehende. Wirsollen nicht blos ans unserem Zollsäckel die Unkosten unsererReformen allein bestreiten, wir sollen auch noch darüberhinaus für den hungrigen Magen des ganzen BudgetsSorge trageu! Der Bundeskanzler in seinem schalkhafthohen Ernst nennt dies:Das Ideal der reinen Finanz-zölle!" Fürwahr, ein Ideal besonderer Art! Ein Zoll-Parlament, welches die Pflicht hätte, den dicksten Teil derEinnahmen zu beschaffen, und das Recht, sich aller politi-schen Ansichten zu enthalten. Die deutsche Nation wirdaus die Verwirklichung dieses Ideals wohl verzichten, biseinige minder entbehrliche Fortschritte werden zur That ge-worden sein. Sie hat nicht die geringste Ursache, die po-litischen Körperschaften der Reichs- nnd Landtage durch dieunpolitische Körperschaft des Zoll-Parlameuts zu verdrängen.Und sind auch Fiuanzzölle veruüuftiger als Schutzzölle, svsind sie doch entfernt nicht das Ideal einer rationellenStaatsbemirtschastuug. So lange wir einen einzigen Zollbehalten, werden wir die kostspielige und lästige Grenz-